Show Less
Restricted access

Denken des Empraktischen

Konstanze Caysa and Harko Benkert

Der Band thematisiert Karl Bühlers Idee des Empraktischen, fasst sie aber zugleich weiter, indem nicht nur auf sprachlich-implizites, sondern leiblich-implizites Vollzugshandeln eingegangen wird. Im Empraktischen geht es demzufolge um leiblich-implizite Wissensformen. Das Empraktische ist ein Wissen-Haben im Tun-Können. Empraktisch wissen wir, was wir wissen, solange wir nicht danach gefragt werden. Oder anders ausgedrückt: Empraktisches Wissen ist ein Wissen, das wir solange haben, solange wir es nicht metastufig problematisieren. Selbst die Reflexionswissenschaft Philosophie, deren Tun wesentlich in der Reflexion besteht, funktioniert wie Sport, Sex, Wissenschaft und Kunst auf der Basis des Empraktischen. Der Band thematisiert demzufolge das Empraktische auf zwei Ebenen: auf der Ebene der Philosophie und auf der Ebene der Kunst.
Show Summary Details
Restricted access

Verena Triesethau - Formen des Empraktischen. Zur körperlichen Praxis des Sexuellen

Extract

| 199 →

Verena Triesethau

Formen des Empraktischen. Zur körperlichen Praxis des Sexuellen

Die Sexualforschung des 21. Jahrhunderts hat sich die vollständige Entschlüsselung des menschlichen Sexualverhaltens zum Ziel gesetzt. Und sie ist auf dem besten Weg: Die menschliche Sexualität wurde durch die Entdeckung der Sexualhormone und der psycho- und physiologischen Prozesse und Mechanismen der menschlichen Libido zu einem beinahe gänzlich wissenschaftlich erklärbaren Ereignis. Die Anwendung und Weiterentwicklung wissenschaftlicher Methoden schafft eine nüchterne Zerlegung des Körpers in Eigenschaften und Fähigkeiten, die auch die menschliche sexuelle Praxis als hormonelles und neuronales Phänomen erscheinen lässt. Medikamente, chirurgische Methoden, Werkzeuge und Apparaturen, Ratgeber und Übungen werden zur Verbesserung des individuellen Sexuallebens angepriesen und stetig weiterentwickelt. Mit der passenden Applikationsform, genügend Selbstkontrolle und -disziplin scheint die Möglichkeit auf, sexuelle Lust und Begehren nach Belieben herstellen zu können. Im Verschmelzen von Körper und Technologien liegt das Versprechen den Körper aus seinem lästigen Naturzwang zu befreien und damit der ewigen „Last mit der Lust“ ein Ende setzen zu können. Ein enormes Angebot an Anti-Aging-Maßnahmen zum Beispiel lässt hoffen, dass auch ein irreversibler und fortschreitender Prozess wie das Altern der Körper doch irgendwie aufgehalten werden kann.

Von einem elementar-existentiellen Problem ist Sex zu einer wissenschaftlichen Aufgabe geworden. Auch in der feministischen Theoriebildung des 20. Jahrhunderts wird Sex immer stärker zum Politikum. In ihrem Kontrasexuellen Manifest (2003) schreibt die Queer-Theoretikerin Beatriz...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.