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Denken des Empraktischen

Konstanze Caysa and Harko Benkert

Der Band thematisiert Karl Bühlers Idee des Empraktischen, fasst sie aber zugleich weiter, indem nicht nur auf sprachlich-implizites, sondern leiblich-implizites Vollzugshandeln eingegangen wird. Im Empraktischen geht es demzufolge um leiblich-implizite Wissensformen. Das Empraktische ist ein Wissen-Haben im Tun-Können. Empraktisch wissen wir, was wir wissen, solange wir nicht danach gefragt werden. Oder anders ausgedrückt: Empraktisches Wissen ist ein Wissen, das wir solange haben, solange wir es nicht metastufig problematisieren. Selbst die Reflexionswissenschaft Philosophie, deren Tun wesentlich in der Reflexion besteht, funktioniert wie Sport, Sex, Wissenschaft und Kunst auf der Basis des Empraktischen. Der Band thematisiert demzufolge das Empraktische auf zwei Ebenen: auf der Ebene der Philosophie und auf der Ebene der Kunst.
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Karolina Sidowska - Dürrenmatts Ballade vom Minotaurus

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Karolina Sidowska

Dürrenmatts Ballade vom Minotaurus

Die Geschichte des Minotaurus, der infolge der sündhaften Begattung seiner Mutter Pasiphae mit einem Stier in der grauvollen Gestalt eines Tiermenschen geboren und in das Labyrinth gesperrt wurde, ist wohlbekannt, genauso wie sein Tod durch die Hand des griechischen Helden Theseus. Anstatt den Mythos noch einmal zu erzählen, möchte ich mich auf die Unterschiede konzentrieren, die zwischen dem überlieferten Mythos und dem Text von Dürrenmatt existieren. Es ist auffallend, dass die Ballade, übrigens dem Titel entsprechend, nicht den Theseus in den Mittelpunkt rückt, wie es in der traditionellen bisherigen Überlieferung der Fall war, sondern den Minotaurus fokussiert, und zwar in verschiedenem Sinne: als das Hauptobjekt der dargestellten Welt und als Medium der Erzählung. Mit der Umkehrung der Perspektive ist auch die Umwertung der Rollen der Protagonisten verbunden, was außer Minotaurus und Theseus auch auf Ariadne zutrifft. Minos Tochter erscheint in der Erzählung anders als bisher und hat auch eine andere Funktion: ihr sagenhafter Faden dient dem Theseus nicht, um den Ausweg aus dem Labyrinth zu finden, sondern eher um das mitten im Labyrinth versteckte Ungeheuer ausfindig zu machen und es zu töten. Die rote Farbe, die der Faden in Dürrenmatts Text hat, ist die Vorwegnahme des grausamen Endes:

„So fand ihn (den Minotaurus) denn Ariadne schlafend vor. Sie kam tanzend mit ihrem Wollknäuel, den sie abrollen ließ, und tanzend, fast zärtlich, wickelte...

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