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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.
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6. Die zwei Grundformen empraktischen Körperhandelns

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Das Empraktische ist als vorprädikative Praxis mit einem vorlogischen Wissen verbunden, in dem Stimmung und Denken, gestimmtes Verhalten und bestimmtes Handeln ungeschieden eins sind. Dieses Wissen ist nichtpropositional und erscheint als intuitives Wissen, das uns als Gebrauchswissen im Alltag gegenübertritt: der Handwerker ist oftmals der einzige, der das (unklar vorgestellte) Herzustellende machen kann ohne in Sätzen ausdrücken zu können, wie er es macht. Entscheidend bei diesem Wissen ist, dass er das (unklar) Vorgestellte machen kann, der zielführende Umgang mit dem Material, das nach nichtexpliziten Regeln so geformt wird, dass es funktioniert, ist entscheidend. Es ist also ein intellektualistischer Fehlschluss, dass für alle Fähig- und Fertigkeiten explizit regulative Propositionen angegeben werden müssen, damit sie gekonnt werden. Die Wahrheit des Handwerkers ist keine wissenschaftliche Wahrheit, sondern eine Stimmungswahrheit, es „stimmt“, es passt, das heißt, es fügt sich, funktioniert erfolgreich und insofern ist es wahr. Nicht das Lernen, sondern das Lernen durch Machen ist in der sich fügenden Stimmungswahrheit entscheidend. Die Macherfahrung scheint die Sache besser zu treffen, als die explizite Montageanweisung. Im empraktischen Wissen kennen wir das Dass des Funktionierens ohne das wir wissen, warum es funktioniert – entscheidend ist, dass etwas funktioniert, nicht warum es funktioniert. Empraktisches Wissen beweist sich also als sich selbstbeweisendes Wissen durch erfolgreiche Funktionalität. Das erfolgreiche Funktionieren beweist sein Wahrsein selbst, es ist sich selbst evidentes, sich selbst überzeugendes Wissen.

Das Wissen der Empraxis ist als nichtprädikatives, vorlogisches Wissen nichtpropositionales...

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