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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.
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9. Die Grundformen praktischen Körperwissens. Die wissensontologische Differenz

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Die Philosophie ist von ihren Anfängen an eine Wissensform, die um die Relativität ihres Wissens weiß: Sie wusste von ihren Anfängen an, dass sie nichts weiß.

In diesem Kontext zeichnet die Philosophie von vorn herein ein besonderer Umgang mit dem Wissen vom Nichtwissen und damit mit dem Wissen selbst aus: Philosophie ist wesentlich Wissen vom Nichtwissbaren des Lebens und vom Nichtwissen der Wissenschaften. Die Lebenswissenschaften glauben alles zu wissen, aber sie ahnen nichts vom Leben. Philosophie ist Ahnung vom Leben und sie weiß, dass sie nicht alles über das Leben wissen kann. Vernünftig-Sein und Verständig-Reden über das Sein sind daher nicht das Selbe. Es gibt eine Reflexion, eine implizite Rückbezüglichkeit ohne Reflektion (ohne explizites Sich-Spiegeln) genauso wie es eine implizite und eine explizite Mimesis gibt.

Philosophie als Wissensform der Weisheit war nie nur primär am praktischen Selbstbewusstsein, sondern immer auch an praktischer Klugheit orientiert. Epistêmê und Phrónêsis waren ursprünglich nicht getrennt. Der Logos schloss beides ein.1 Theorie und Handeln, rationale Erkenntnis und technisches Wissen, Warum und Darum, Daß und Was, theoretisches Wissen und atheoretisches Wissen vom Wie des Handelns sind für die Philosophie zwar unterscheidbar, aber im Handeln nicht trennbar.

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