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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.
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11. Reflexionen über das Schweigen

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Der Lärm des ständigen Geredes belästigt uns kaum noch. Er schafft Vertrautheit wie ein Hintergrundrauschen. Das Schweigen aber plagt uns und verunsichert durch seine Stille. (Verunsicherungsfunktion)

Mit dem Schweigen kann man nichts mehr anfangen; es ist uns peinlich.

Wo ein Mensch in seiner Qual zu schwatzen beginnt, da gab das Leben uns die Fähigkeit schweigend zu leiden. (Leidenkönnens-Funktion)

Schweigend erträgt man Unerträgliches.

Leiden kann man nur im Schweigen erleiden. Die Mitteilung des Leidens hebt es auf oder macht es unerträglich. Unerträglich wird das Leid, wenn es geschwätzigem Mitleid ausgeliefert ist.

Die Mitteilung entwirklicht das schweigend Geteilte. Das Gerede zerstört die erschwiegene Einheit. (Authentizitätsbeweisfunktion)

Wer radikal schweigt verachtet die Regeln des Redenden und setzt neue Regeln der Sprachdeutung. (Verachtungsfunktion)

Wer schweigt klagt durch seine Sprachlosigkeit, durch das Opfer seiner Rede an. (Anklagefunktion)

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