Show Less
Restricted access

Islamisches Recht in Theorie und Praxis

Neue Ansätze zu aktuellen und klassischen islamischen Rechtsdebatten

Series:

Edited By Mouez Khalfaoui and Bülent Ucar

Spielt das islamische Recht noch eine Rolle im Leben und Denken gegenwärtiger Muslime? Was kann man von der Scharia noch umsetzen? Wie steht die Scharia mit säkularem Recht im Verhältnis? Sind die Maqasid noch anwendbar? Diese Fragen werden von Laien-Muslimen sowie Experten häufig gestellt. Die Beiträge dieses Bandes bieten einen Einblick in die innerislamische Debatte über das islamische Recht und seine Rolle im Leben gegenwärtiger Muslime. Dabei sind mindestens zwei Hauptansätze von besonderer Bedeutung: im ersten Teil werden die Fragen der Entstehung, Definition und Entwicklung des islamischen Rechts debattiert. Der zweite Teil ist dem Thema Maqasid gewidmet. Hierbei werden bedeutende Abschnitte aus arabischen Quellen ins Deutsche übersetzt. Somit wird in diesem Buch eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart sowie zwischen Theorie und Praxis geschlagen.
Show Summary Details
Restricted access

Ansätze hermeneutischen Denkens in Šāṭibīs maqāṣid-Theorie – Grundfragen einer modernen Relektüre

Extract

← 78 | 79 →

Mohammed Nekroumi

Ansätze hermeneutischen Denkens in Šāṭibīs maqāṣid-Theorie1 – Grundfragen einer modernen Relektüre

Einführung: Glaube und Sinnsuche

In seiner universalen Bedeutung als Ergebenheit des Menschen in Gottes Willen offenbart der Begriff islām den allen drei Buchreligionen gemeinsamen monotheistischen Charakter, dessen historische Manifestation im Denkinhalt des Wortes dīn ihren äußeren Ausdruck findet. Bemerkenswert ist aber, dass der semantische Gehalt des Wortes ʾīmān (Glaube) nach traditioneller islamischer Glaubenslehre eine gewisse Affinität zum Begriff dīn aufweist, insofern als dass der ursprüngliche lexikalische Sinn beider Begriffe im semantischen Feld von „Vertrauen“ und „Schuld” in der theologisch-terminologischen Bedeutung mitschwingt. Die historische Konkretisierung des Glaubens durch die Verkündigung der Scharia als göttliche Weltordnung umschreibt, wenn auch unvollkommen, den Bundschluss zwischen Gott und Mensch in einer präskriptiven Relation von Befehl und Gehorsam, welche zwangsläufig der kasuistischen Auslegung Grenzen setzt. In den drei monotheistischen „Weltreligionen“, in Judentum, Christentum und Islam, bedeutet Gehorsam gegenüber dem ius divinum die Anerkennung des durch die Verkündigung vermittelten Lebenssinns. Aus der unaufhebbaren Vieldeutigkeit des Begriffs dīn erklärt sich nicht zuletzt auch das mit seiner lexikalischen Bedeutung zusammenhängende Verständnis einer „Sinn-Schuld“, das aus den Schöpfungsgesetz-Vorstellungen aller drei Buchreligionen hervorgeht. ← 79 | 80 →

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.