Show Less
Restricted access

Der Asyldiskurs in Deutschland

Eine medienlinguistische Untersuchung von Pressetexten, Onlineforen und Polit-Talkshows

Series:

Maria Becker

Das Buch beschäftigt sich mit dem in den Jahren 2013 und 2014 in Deutschland geführten Asyldiskurs. Obwohl nur wenige Menschen in Deutschland direkten Kontakt zu Asylbewerbern haben, haben die meisten eine dezidierte Meinung zu Asylbewerberheimen, Asylbewerberzahlen oder dem Asylrecht. Dies lässt sich in erster Linie auf die Rezeption von Medieninhalten als meinungsprägende Instanzen zurückführen. Diesen sich in den Medien konstituierenden Asyldiskurs nimmt das Werk in den Blick. Durch die Kombination korpuslinguistischer und hermeneutischer Verfahren werden die Versuche der Diskursakteure, die im Asyldiskurs zentralen Konzepte Verantwortung, Angst und Fremdenfeindlichkeit verschiedentlich zu prägen und dominant zu setzen, analysiert. Dabei zeigt sich, dass die auf diese Konzepte verweisenden Ausdrücke durch ihren häufigen Gebrauch im Asyldiskurs ganz eigene Spezifika der Verwendung entwickeln und eingesetzt werden, um Prozesse der Wissensgenerierung und kollektive Einstellungen zu instruieren.
Show Summary Details
Restricted access

5. Wissenskonstituierung in Schriftlichkeit und Mündlichkeit

Extract



Da meinen Untersuchungen zum Asyldiskurs sowohl schriftliche als auch mündliche Daten zugrunde liegen, möchte ich im Folgenden auf den Stellenwert der Medialitätsthematik für diese Arbeit eingehen. Nachdem ich einen Überblick über geschriebene und gesprochene Sprache als Gegenstand sprachwissenschaftlicher Untersuchungen gegeben habe, soll das Verhältnis von gesprochener und geschriebener Sprache sowie die Merkmale und Konstitutionsbedingungen selbiger herausgearbeitet werden, um daraus schließlich methodische Konsequenzen für die vorliegende Untersuchung abzuleiten.

5.1 Geschriebene und gesprochene Sprache als Gegenstand sprachwissenschaftlicher Untersuchungen

Obwohl Mündlichkeit individual- wie auch menschheitsgeschichtlich primär ist, ist die Vorstellung von Sprache in literalen Gesellschaften seit jeher schriftsprachlich geprägt (Fiehler 2009: 1174). Auch das Interesse der sprachwissenschaftlichen Forschung galt lange Zeit fast ausschließlich der geschriebenen Sprache, so dass die Mündlichkeit lange ein vernachlässigtes Randgebiet darstellte. Bis heute ist es die geschriebene Sprache, der das vornehmliche Forschungsinteresse der meisten Sprachwissenschaftler zukommt (vgl. dazu Linell 2005, Diewald 2010). Dies ist sicherlich auch auf die Verfügbarkeit des sprachlichen Materials zurückzuführen, da gesprochene Sprache nicht nur flüchtig ist und daher für Untersuchungszwecke aufgezeichnet werden muss, sondern auch deren Aufbereitung und Transkription stets einen erheblichen Arbeitsaufwand darstellt, während schriftsprachliche Texte – wie etwa Zeitungstexte als beliebter Untersuchungsgegenstand diskurslinguistischer Arbeiten – über zahlreiche Datenbanken (wie beispielweise die Datenbank LexisNexis, das historische Zeitungsinformationssystem ZEFYS oder das Deutsche Referenzkorpus des IDS Mannheim) wesentlich einfacher und in einem weitaus größeren Umfang zu recherchieren sind.23 ← 41 | 42 →

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.