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Macht und Ohnmacht einer Zentralregierung

Die Bourbonen und das Problem des Banditenwesens im Königreich Neapel des 18. Jahrhunderts

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Ronald Richter

Ein seit Jahrhunderten bestehendes, bis heute aktuelles Problem Süditaliens ist die organisierte Bandenkriminalität. Ronald Richter befasst sich mit dem bisher nur wenig erforschten Banditenwesen im Königreich Neapel des 18. Jahrhunderts. Er konzentriert sich auf die Zeit zwischen der erneuten Machtübernahme der spanischen Bourbonen 1734 und der erstmaligen Flucht der königlichen Familie Ende 1798 nach Sizilien. Ihn beschäftigt die Frage, wie die Zentralregierung in Neapel und die ihr in den Provinzen unterstehenden Instanzen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Machtmitteln versuchten, ihren Herrschaftsraum unter Kontrolle zu halten und das Banditenunwesen einzudämmen – und warum sie an dieser Aufgabe scheiterten.
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I. Einführung

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1. Einführung zum süditalienischen Banditenwesen

1.1 Eine kurze begriffs- und rechtsgeschichtliche Einführung

Dem ersten Unterkapitel des einleitenden Teils dieser Untersuchung zum Banditenwesen im Königreich Neapel der frühen Bourbonenzeit liegen drei zentrale Zielsetzungen zugrunde: Die erste Zielsetzung besteht darin, zu definieren, was im modernen juristischen Sinne unter einer Bande als krimineller Vereingung an sich zu verstehen ist. Die zweite Zielsetzung besteht darin, einen Eindruck davon zu vermitteln, welcher Begrifflichkeiten sich sowohl die heutige italienische Geschichts- und Sozialwissenschaft als auch die verschiedenen italienischen Staaten der Frühen Neuzeit zur Bezeichnung von Räuberbanden und deren Mitgliedern zu bedienen pflegten. Und die dritte und letzte mit diesem ersten Unterkapitel verbundene Zielsetzung besteht schließlich darin, die Frage zu klären, auf welche Kriterien bzw. Kategorisierungen von Seiten der Justiz der frühneuzeitlichen italienischen Staaten bei der strafrechtlichen Belangung der Mitglieder ebendieser Banden nach deren erfolgter Festnahme bis hin zum Erlass des französischen „Code Pénal“ im Jahre 1810 zurückgegriffen wurde, welcher schließlich die strafrechtliche Verfolgung von Mitgliedern bewaffneter Banden auf eine völlig neue gesetzliche Grundlage stellen und schließlich einen zentralen Einfluss auf die unter Ferdinand I., König Beider Sizilien, im Jahre 1819 erlassenen und sehr stark an den „Code Pénal“ angelehnten „Leggi Penali“ haben sollte.

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