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Sozialbewusstsein

Ursprung, Exegese und die Beziehung zum theoretischen Bewusstsein

Sander Wilkens

Sander Wilkens widmet sich in umfassender Weise dem Sozialbewusstsein, welches die Neuzeit charakterisiert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stehen sich zwei Richtungen diametral gegenüber: der Behaviorismus, der es in seiner Eigenständigkeit leugnet, und das gemeinschaftliche Bewusstsein in der Soziologie. Zentrale Themen des Buches sind u. a. die neuzeitliche Klausel der Vereinzelung als fehlbare Abstraktion; instantane, nicht nur reflexive oder kommunikationsbedingte Teilhabe der Vorstellungen und Gedanken; konzentriertes Bewusstsein als realer Fokus/Herd; die Umkehrbarkeit der Perspektive; das gemeinschaftliche Bewusstsein als Sozialbewusstsein.
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Parallelismus und Gemeinschaft. Leibniz-Wolff, der Widerspruch und die Polarität

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I. Einführung: Unterscheidung der Gegensätze (oder Prinzipien) und der Terminologie

Eine der zähesten Fehden der Wissenschaftsgeschichte ist die Kontroverse Leibniz – Newton (mitsamt der Vertretung durch Clarke). Sie birgt den Gegensatz zwischen der polaren und nicht-polaren Auffassung des Körpers, des Universums und der Substanz, worin sich nachhaltige Probleme für die Philosophie generell und für Leibniz anschließen. Obgleich seit den Vorsokratikern (insbesondere Heraklit) bis zu Aristoteles, der die wesentliche Abklärung verschaffte,204 wohlbekannt war, dass es polare (in der Semantik antonyme) Terme und Urteile gibt, die sich nicht aufeinander noch, insbesondere, auf nicht-polare reduzieren lassen, so dass der eine immer mit dem anderen Gegensatz zugleich bedacht sein muss – ›wenige-viele‹, ›arm-reich‹, ›warm-kalt‹ (um drei berühmtere Beispiele anzuführen, weiterhin ›gerecht-ungerecht‹, ›gut-schlecht‹, ›tapfer-feige‹) –, hat der Gegensatz als Gattung, die Erörterungen zum Mehr oder Weniger in den Schriften von Leibniz in Erinnerung, sein wesentlich philosophisches, wissenschaftliches und logisches Interesse bis heute verloren (insoweit man davon absieht, dass Hegels Dialektik der nachklassische Erbe ist).205 Obgleich auch Aristoteles nicht unmittelbar von polaren Termen gegenüber nicht-polaren sprach und auch die Polarität (als Terminus) nicht eigens abhandelte,206 wusste er sehr wohl, dass Ausdrücke ← 207 | 208 → wie gleich-ungleich, Herrscher-Beherrschter, jeweils am Bürger bemessen, an erster Stelle nicht dem Widerspruch gehorchen, sondern dem polaren Gegensatz: Es ist ein Beziehungsweise-Gelten der Prädikate, welche demselben Subjekt zukommen, dabei, nach der Regel, nicht einmal gebunden an den Ausschluss desselben Zeitpunkts und derselben Hinsicht:...

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