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Kinder können fliegen

Leben mit Kindern – Im Gespräch mit Janusz Korczak

Gunda Schneider

Die Autorin befasst sich mit dem polnischen Arzt, Pädagogen und Kinderbuchautor Janusz Korczak. In seinen Schriften beschrieb er ein Lebensverständnis, das die Freude am Leben und besonders die Freude am Leben mit Kindern weckt und Eltern und Erzieher zur Achtung vor jedem Kind als Mensch inspiriert. Mit seiner Pädagogik der Achtung bietet er keine pädagogischen Rezepte und keine Lösung für Erziehungsprobleme. Erziehen heißt vielmehr: Leben mit Kindern. Gunda Schneider-Flume hat das tägliche Leben mit ihren drei Kindern im Gespräch mit Korczaks Gedanken reflektiert: Es geht dabei nicht um Ideale, die verwirklicht, oder Vorbilder, die erreicht werden müssen, sondern um die Person der Kinder, die so anerkannt werden, dass sie sich selbst entfalten, dass sie fliegen können.
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VIII. Noch einmal: Erziehen – mit Kindern leben

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1. Wozu?

Mit der Frage „Wozu?“ ist sowohl das Leben wie die Erziehung verfehlt. Denn das Wozu ist das Leben selbst. Erziehen – mit Kindern leben hat seinen Sinn und sein Wozu in sich selbst. Sinn und Wozu liegen nicht irgendwo an einem imaginären Ort, in der Entwicklung zu einem fernen Zielpunkt am Ende oder jenseits unseres Lebens. Wenn Sinn und Wozu aus dem Leben eines Menschen an einen Zielpunkt außerhalb verlagert werden, nimmt der Mensch Schaden. Kinder werden dann zu „noch nicht Menschen“, zu defizitären Wesen, aus denen man etwas machen muss. Das Recht auf Leben wird ihnen beschnitten, weil sie als Kinder vermeintlich uneigentliche Menschen sind.

Aber Kinder sind Menschen, jetzt schon, Janusz Korczak hat das immer wieder eingeschärft. Aus Staub geworden, aber Gott hat in ihnen Wohnung genommen. Die Erinnerung an die biblische Tradition verweist darauf, dass dein Kind nicht dir gehört, es ist nicht dein Besitz, es steht dir gegenüber als Geschöpf Gottes. Das verlangt Respekt und die Einsicht: Kinder dürfen nicht nach dem Willen und Plan der Erzieher geformt werden. Als Geschöpfe haben sie selbst Würde von Anfang an und ohne Vorbedingungen, und sie stehen nicht nur vor dir, sie sind sich geschenkt von einem Gegenüber, vor dem sie leben, zu dem sie beten und wünschen können. Sie sind nicht auf die Endlichkeit beschränkt.

Es ist ein schweres Vergehen von Erziehern, Kinder nach dem...

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