Show Less
Restricted access

Kinder können fliegen

Leben mit Kindern – Im Gespräch mit Janusz Korczak

Gunda Schneider

Die Autorin befasst sich mit dem polnischen Arzt, Pädagogen und Kinderbuchautor Janusz Korczak. In seinen Schriften beschrieb er ein Lebensverständnis, das die Freude am Leben und besonders die Freude am Leben mit Kindern weckt und Eltern und Erzieher zur Achtung vor jedem Kind als Mensch inspiriert. Mit seiner Pädagogik der Achtung bietet er keine pädagogischen Rezepte und keine Lösung für Erziehungsprobleme. Erziehen heißt vielmehr: Leben mit Kindern. Gunda Schneider-Flume hat das tägliche Leben mit ihren drei Kindern im Gespräch mit Korczaks Gedanken reflektiert: Es geht dabei nicht um Ideale, die verwirklicht, oder Vorbilder, die erreicht werden müssen, sondern um die Person der Kinder, die so anerkannt werden, dass sie sich selbst entfalten, dass sie fliegen können.
Show Summary Details
Restricted access

Einführung

Extract



Kurz vor der Geburt meines ersten Kindes las ich das mir empfohlene Buch „Wie man ein Kind lieben soll“ von dem polnischen Arzt und Pädagogen Janusz Korczak. Ich kam mit meiner Lektüre lediglich bis zu Korczaks Erklärung der Kinderrechte: „Ich fordere die Magna Charta Libertatis als ein Grundgesetz für das Kind. Vielleicht gibt es noch weitere, ich aber habe diese drei Grundrechte herausgefunden:

Erschrocken legte ich das Buch beiseite. „Das Recht des Kindes auf den Tod“, diesen Gedanken wollte ich nicht begreifen, auch konnte ich ihn nicht aushalten. Ich hatte so viele gute Vorstellungen und Pläne, Hoffnungen und Wünsche für das Leben meines Kindes. Der Gedanke an den Tod hatte darin keinen Platz. Das von Korczak formulierte Recht erschien mir als Forderung unerträglich. Es brauchte Jahre des Zusammenlebens mit meinen Kindern und eine intensive Beschäftigung mit den Gedanken von Korczaks Pädagogik, bevor ich die Magna Charta Libertatis als ein Grundgesetz für das Kind verstehen konnte.

Zunächst musste ich lernen, dass die Rede von „meinem Kind“ nur sehr begrenzt zutreffend und berechtigt ist. Gewiss wird eine Mutter gerade während der Schwangerschaft von „ihrem“ Kind reden, und zugleich muss sie schon da erkennen, dass dieses Kind niemals nur „ihr“ Kind ist, sondern dass es ein eigenes Leben ist, von vielen Ahnen und alten Geschichten aus vergangenen Zeiten und von vielen Menschen einst und heute bestimmt, ein Mensch mit eigenem Weg und mit einem...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.