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Kinder können fliegen

Leben mit Kindern – Im Gespräch mit Janusz Korczak

Gunda Schneider

Die Autorin befasst sich mit dem polnischen Arzt, Pädagogen und Kinderbuchautor Janusz Korczak. In seinen Schriften beschrieb er ein Lebensverständnis, das die Freude am Leben und besonders die Freude am Leben mit Kindern weckt und Eltern und Erzieher zur Achtung vor jedem Kind als Mensch inspiriert. Mit seiner Pädagogik der Achtung bietet er keine pädagogischen Rezepte und keine Lösung für Erziehungsprobleme. Erziehen heißt vielmehr: Leben mit Kindern. Gunda Schneider-Flume hat das tägliche Leben mit ihren drei Kindern im Gespräch mit Korczaks Gedanken reflektiert: Es geht dabei nicht um Ideale, die verwirklicht, oder Vorbilder, die erreicht werden müssen, sondern um die Person der Kinder, die so anerkannt werden, dass sie sich selbst entfalten, dass sie fliegen können.
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Vorwort

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Die Gedanken über das Leben mit Kindern, die ich in diesem Buch niedergeschrieben habe, begleiten mich seit mehr als 45 Jahren. Sie stammen aus zahlreichen Tagebuchheften, in denen ich das Leben mit unseren Kindern reflektiert habe. Gesprächspartner war mir dabei von Anfang an Janusz Korczak, zunächst nur mit dem in deutscher Übersetzung erschienenen Buch: „Wie man ein Kind lieben soll“, später mit den Schriften des in deutscher Übersetzung herausgegebenen Gesamtwerks.1

Korczaks Thesen provozierten meinen entschiedenen Widerspruch und zugleich meine uneingeschränkte Zustimmung. Die Behauptung des „Rechtes des Kindes auf den Tod“ konnte ich nicht akzeptieren, Korczaks Lebensverständnis aber und seine Achtung vor Kindern als Menschen überzeugten mich und ließen mich schließlich auch „das Recht des Kindes auf den Tod“ begreifen. Obwohl Janusz Korczak sich selbst als zu keiner Religionsgemeinschaft gehörend verstand, war sein Lebensverständnis tief in der biblisch-jüdischen Tradition verwurzelt: Leben ist Geschenk, das Freude und Dankbarkeit hervorruft. Besonders bei Naturbeobachtungen, etwa beim Betrachten einer Wiese, konnte der Erzieher den Kindern das ganz weltlich vermitteln.

Das Buch „Wie man ein Kind lieben soll“ wurde während des Ersten Weltkriegs verfasst. Korczak bemerkt dazu: „Ich schrieb dieses Buch im Feldlazarett, unter dem Donner der Geschütze, im Krieg.“ (SW 4,115) Korczaks letzte Aufzeichnungen entstammen seinem Tagebuch 1942, wenige Tage vor der Deportation mit den Kindern in das Vernichtungslager Treblinka. Seine Pädagogik ist Niederschlag der Erfahrung des Lebens mit Kindern in Ferienkolonien zu Anfang des...

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