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Runenschrift in der Black-Metal-Szene

Skripturale Praktiken aus soziolinguistischer Perspektive

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Florian Busch

Dieses Buch gewann den Karl H. Ditze Preis 2015

Das Buch befasst sich mit dem modernen Runengebrauch der Black-Metal-Musikszene. Germanische Runen gelten gemeinhin als eine Schrift der Vergangenheit. Dabei wird häufig außer Acht gelassen, dass dieses altertümliche Skript auch heute noch in verschiedenen kulturellen Kontexten verwendet wird. Florian Busch beschreibt, welche sozialen und kommunikativen Motivationen hinter der Verwendung von Runenschrift stehen. Mittels der Integration von Methoden der Soziolinguistik, Diskursanalyse und Sozialsemiotik zeigt er, wie Runen im visuellen Szenestil zur Konstruktion bestimmter sozialer Identitäten inszeniert werden. So ergibt sich ein Verständnis für die Prozesse der soziokulturellen Positionierung durch Schriftgestalt.
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2. Forschungsüberblick und theoretische Grundlegung

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2.1Schriftlichkeit als (sozio-)linguistischer Forschungsgegenstand

Phänomene der Schriftlichkeit spielten in der modernen Soziolinguistik, die sich in den letzten 50 Jahren vor allem auf gesprochene Sprache fokussierte, lange keine Rolle (vgl. WALKER 2001: xi; LILLIS 2013: 2; SPITZMÜLLER 2012a: 119; SEBBA 2007: 12). Die soziale Bedeutung, die mit schriftlicher Sprache bzw. mit skripturaler Variation einhergeht, wurde dementsprechend in der Sprachwissenschaft nur wenig thematisiert. Im Folgenden wird daher zunächst aufgezeigt, wie es zu diesem linguistischen ‚blinden Fleck‘ kommen konnte und wie diesem Defizit in neueren Publikationen entgegengetreten wird. Die in diesem Kapitel vorgestellten Überlegungen bilden den theoretischen Rahmen dieser Studie, der es ermöglicht, die skripturale Praxis von Runenschrift im Black Metal mittels linguistischer Analysen zu erfassen.

Die Relation von Sprache und Schrift wurde in der Geschichte der Geisteswissenschaften unterschiedlich theoretisiert. Aristoteles konzeptualisierte Schriftlichkeit und Mündlichkeit noch als einander gleichwertige Realisierungsformen eines abstrakten, übergeordneten Sprachvermögens (vgl. MAAS 2004: 633). Erst mit der Gründung der modernen, strukturalistischen Sprachwissenschaft etablierte sich das „Primat der gesprochenen Sprache“, wie es insbesondere von Ferdinand de Saussure vertreten wurde, als dominierende, linguistische Lehrmeinung (s. ebd.; vgl. KOCH/OESTERREICHER 1994: 600f.; LINELL 2005: 27).1 Dabei diente zuallererst der ontogenetische Vorausgang mündlicher Sprache als Begründung: „Das Kind lernt zu sprechen, erst dann zu schreiben“ (LINKE et al. 2004: 465). Schriftlichkeit geriet in dieser Perspektive zu einem „sekundären Zeichensystem“ (DÜRSCHEID 2012: 35), einem „sign of a sign“ (CHANDLER 2007: 16), das ← 15 | 16...

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