Show Less
Restricted access

Die Partnerschaft im musikalischen Dialog

Von der Geburt der zyklischen Form der Kammermusik mit Klavier (Trio, Quartett, Quintett) bis zu ihrer höchsten Blüte (Borodin, Mahler, Schostakowitsch)

Series:

Jolanta Skorek-Münch

Die Autorin untersucht in ihrem Buch die historische Evolution der Instrumentalmusik, hierbei insbesondere die Rolle des Klaviers. Die Instrumentalmusik entwickelte sich von der Gebrauchsmusik (oder: von der wohl artikulierten Veranschaulichung von Affekten) zum romantischen Paradigma der absoluten Musik und des Verständnisses der Musik, das dem 20. Jahrhundert eigen war. Zur Sprache kommen der Werdegang der Instrumentalmusik als wichtigstem Feld kompositorischer Expression, das charakteristische Verständnis der Kammermusik, ihrer Ästhetik und ihrer Ausführungspraxis sowie der Platz des Klaviers in einem Kammerensemble (von der solistischen Dominanz bis zur Partnerschaft).
Show Summary Details
Restricted access

V. Tradition und Modernität – Mahler und Schostakowitsch

Extract

Im Schaffen Gustav Mahlers, des letzten von den großen spätromantischen Symphonikern, spielte die Kammermusik eine untergeordnete Rolle. Im Lichte der Forschungsergebnisse von Peter Ruzicki ist der komplett erhaltene erste Teil des Klavierquartetts a-Moll (er wäre als Quartettsatz zu bezeichnen) eines von einigen Kammerwerken, die Gustav Mahler in den Jahren 1876-78, als er am Wiener Konservatorium studierte, zu schreiben begann. Später gingen sie verloren oder wurden niemals zu Ende verfasst.

Das vierundzwanzigtaktige Fragment des Scherzos (in g-Moll) wiederum, das seinerzeit Alfred Schnittke dazu anregte, ein eigenes Klavierquartett zu komponieren, wird manchmal als weiterer Teil desselben Mahlerschen Werkes behandelt, was wegen der Relation dieser Tonart zu a-Moll zweifelhaft erscheint.

Das erste Thema (Leidenschaftlich) besteht aus zwei Phasen: die Phase I umfasst die Takte 3-31, die Phase II – die Takte 32-41. Es wird vom Klavier in Oktavverdoppelungen, im tiefen Register, dunkel und düster gefärbt, eingeführt. Das auf homogene Werte gestützte Akkompagnement (Viertelnotentriolen) bildet eine harmonische Ergänzung zur Melodie in der Unterstimme des Klaviers. Die charakteristische melodische Wendung, die das erste Thema beginnt, ist der Sprung der kleinen Sexte nach oben (A – f) und dann der Abstieg auf die V. Stufe der a-Moll-Skala, erneut eine Wiederholung dieses Motivs ab dem Ton A (doch mit einer Änderung des Intervalls: die kleine Sexte wird durch die kleine Septime ersetzt). Ab dem 7. Takt sinkt die Melodie in Oktavverdoppelungen ab. In Takt 9 merken wir einen deutlichen Kontrast der Register und eine bedeutende Erweiterung...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.