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Die Tages- und Jahreszeitenzyklen von Caspar David Friedrich

Momoko Ochiai

Caspar David Friedrich (1774–1840), einer der bedeutendsten Landschaftsmaler der deutschen Romantik, beschäftigte sich lebenslang mit Tages- und Jahreszeitenzyklen. Momoko Ochiai untersucht den im Jahre 2004 wiederentdeckten Sepiazyklus sowie weitere vier Zyklen, um die Sonderstellung Friedrichs im Zusammenhang von Tageszeiten, Jahreszeiten und Lebensaltern zu erläutern. Durch ihre umfangreichen Recherchen zeitgenössischer bildlicher wie literarischer Quellen stellt die Autorin Friedrichs Zyklen in den historischen Kontext. Ihr zufolge hat die Zyklusthematik nicht nur in Friedrichs Werken, sondern generell in der zeitgenössischen Kunstproduktion eine bedeutende Rolle eingenommen. In einem Exkurs skizziert die gebürtige Japanerin die Friedrich-Rezeption in ihrem Heimatland.
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4. Die »Vier Tageszeiten« (BS274–275, 296–297)

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4.  Die »Vier Tageszeiten« (BS274–275, 296–297)

Nachdem Friedrich zwischen etwa 1816 und 1818 den Tageszeitenzyklus aus Seelandschaften geschaffen hatte, beschäftigte er sich Anfang der 1820er-Jahre wieder mit einer Bilderfolge der Tageszeiten, die sich heute im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover befindet.1 Der Tageszeitenzyklus besteht aus vier Bildern: »Morgen« (Abb. 4–1, BS274), »Mittag« (Abb. 4–2, BS296), »Nachmittag« (Abb. 4–3, BS297) und »Abend« (Abb. 4–4, BS275), alle in Öl auf Leinwand gemalt. Eine Kopie des »Abends«, die fast genauso groß wie das Original ist, wurde im Jahre 1955 bei Gerd Rosen als Werk eines Friedrich-Nachfolgers versteigert und befindet sich heute in der Sammlung Georg Schäfer in Schweinfurt.2 Eine Vorzeichnung zum »Nachmittag«, entstanden um 1815, befindet sich in der Nationalgalerie in Oslo.3 Diese Zeichnung wurde auch als Vorlage für andere Bilder verwendet, zum Beispiel »Abends am Fluss« (um 1820–1825, BS329) und »Kahn am Ufer« (um 1833, BS401).4

Der Zyklus zeigt, im Vergleich zu den anderen beiden Tages- und Jahreszeitenzyklen von 1803–1807 und 1826, eher naturalistische Landschaften. »Der Morgen« bildet eine neblige Landschaft ab. Der Vordergrund zeigt das steinige Ufer eines Sees, auf dem ein Fischer in seinem Boot zu sehen ist. Im Mittelgrund ← 91 | 92 → ist ein Haus zu sehen, und Morgennebel steigt auf. Dahinter erstreckt sich ein Fichtenwald, und der Himmel ist rötlich und gelblich gefärbt. »Der Mittag« stellt eine ebene Landschaft dar; im Bildvordergrund öffnet sich ein breiter Fahrweg. Im...

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