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Fachdidaktik Deutsch – Rückblicke und Ausblicke

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Hartmut Jonas and Marina Kreisel

Der Sammelband vereinigt Beiträge über Entwicklungen, Positionen und aktuelle Probleme der Deutschdidaktik. Besonderen Wert legen die Autoren auf den historisch-vergleichenden Aspekt der Deutschdidaktik/West und der Deutschmethodik/Ost seit 1945. Deren Ergebnisse werden von ihnen kritisch reflektiert und funktional einbezogen, was in dieser Weise bisher kaum geschehen ist. Thematische Schwerpunkte sind dabei: Theorieentwicklung der Deutschdidaktik/-methodik seit 1945; Konzepte, Theorien und Routinen der Unterrichtsgestaltung in Gegenwart und Vergangenheit; Unterrichtsmethoden des Interpretierens, des produktiven Umgangs mit Literatur (auch des Mittelalters) und des Anfangsunterrichts; Deutschdidaktik und Didaktik der Mehrsprachigkeit.
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„Brauchtum“ im Deutschunterricht – ein brachliegendes Feld der fachdidaktischen Forschung

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In einer seiner letzten Publikationen beklagt Bodo Friedrich den Niedergang des konzeptionellen Nachdenkens über sprachliche Bildung im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts aus Willfährigkeit gegenüber politischen und ökonomischen Anmaßungen und bietet eine Erklärung dafür an, „dass bessere, praktisch bereits im 18. Jahrhundert erprobte Konzepte unterdrückt, dagegen jeweils politisch opportune gefördert worden sind, dass […] die Sprachbildung in Deutschlands Schulen bei allen Annäherungen, die es im Einzelnen gegeben haben mag, nie das Niveau erreichen konnte, das ihr als Feld erworbener und gelernter Sprachlichkeit und damit substantieller Menschlichkeit zugekommen wäre“ (Friedrich, Bodo 2007, S. 197). Die „Bildung zu menschlicher Sprachlichkeit“ sei „in ihrem Kern verfehlt worden, weil die inhaltliche Ausfüllung des Begriffs ‚Sprachlichkeit des Menschen‘ nicht ernsthaft betrieben worden ist.“ (ibd., S. 215)

Zur inhaltlichen Ausfüllung der konzeptionellen sprachdidaktischen Zielsetzung ist demnach da anzusetzen, wo die im Unterricht zu vermittelnden Gegenstände sprachlicher Bildung in Erscheinung treten. Das ist nicht nur eine curriculare Frage, sondern betrifft die Soziogenese dessen, was zur Konstitution einer literaten Sprachlichkeit führt und sich in den „Inhalten“ der schulischen Bildung niederschlägt und als „didaktisches Brauchtum“ festsetzt (cf. Ivo, Hubert 1977). Damit seien kollektiv erarbeitete und praktizierte Routinen des didaktischen Handelns in bestimmten Domänen charakterisiert. Solche Routinen kann man kennen, ohne sie selber auszuüben, man kann sie auch ausüben, ohne sie benennen und erklären zu können. Über didaktisches Brauchtum lässt sich also sprechen, ohne dass man...

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