Show Less
Restricted access

Fachdidaktik Deutsch – Rückblicke und Ausblicke

Series:

Hartmut Jonas and Marina Kreisel

Der Sammelband vereinigt Beiträge über Entwicklungen, Positionen und aktuelle Probleme der Deutschdidaktik. Besonderen Wert legen die Autoren auf den historisch-vergleichenden Aspekt der Deutschdidaktik/West und der Deutschmethodik/Ost seit 1945. Deren Ergebnisse werden von ihnen kritisch reflektiert und funktional einbezogen, was in dieser Weise bisher kaum geschehen ist. Thematische Schwerpunkte sind dabei: Theorieentwicklung der Deutschdidaktik/-methodik seit 1945; Konzepte, Theorien und Routinen der Unterrichtsgestaltung in Gegenwart und Vergangenheit; Unterrichtsmethoden des Interpretierens, des produktiven Umgangs mit Literatur (auch des Mittelalters) und des Anfangsunterrichts; Deutschdidaktik und Didaktik der Mehrsprachigkeit.
Show Summary Details
Restricted access

Die Methodik des Erstleseunterrichts in Deutschland nach 1945

Extract



1 Der Erstleseunterricht – ein Politikum? Aktuelle und historische Diskussionen

Die Frage, wie Kindern das Lesen und Schreiben in der Schule gelehrt werden soll, ist nicht nur historisch gesehen eine immer wieder heftig diskutierte Frage in der Methodik des Deutsch- oder Anfangsunterrichts, sondern wird auch von den Medien aufgegriffen. Die eher mittelmäßige Leseleistung deutscher Fünfzehnjähriger wird ebenso wie die eigenmächtig diagnostizierte „Rechtschreipkaterstrofe“ der aktuellen Schülergeneration von den Medien auf die „falsche“ Methodik des Erstleseunterrichts zurückgeführt (vgl. Bredow / Hackenbroch in „Der Spiegel“ 25/2013). Besorgte bildungsorientierte Eltern1 wollen ein Verbot bestimmter Methoden durch die Kultusministerien erzwingen. Der Erstleseunterricht wird somit zum Politikum. In der Diskussion um die richtige Methodik spielt dabei die Geschichte des Erstleseunterrichts ebenso wie zahlreiche empirische Studien, die in West- und Ostdeutschland sowie nach 1990 zu dieser Frage durchgeführt wurden, eine eher untergeordnete Rolle. Die Debatte scheint vielmehr stark emotional geführt zu werden, wobei immer wieder die Frage der „Ideologie“ aufgeworfen wird: Es wird vor der „neuen Schlechtschreibung“ gewarnt, die die Schulanfänger durch zu große individuelle Freiheiten „systematisch zu Rechtschreibanarchisten“ (ebd., S. 96) erziehe bzw. im Gegenzug der Vorwurf vor „ideologischen Verkürzungen“ (Eichler / Brügelmann 2013) laut. Die Debatte um die richtige Methodik des Erstleseunterrichts ist nicht neu. Bereits im „Methodenstreit“, der in den 1960er Jahren die Diskussion zum Erstleseunterricht in Westdeutschland bestimmte, wurden Streitschriften verfasst, um auf die vermeintlichen Gefahren „falscher“ Methoden aufmerksam zu machen (vgl. Gümbel 1980, S. 210)...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.