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Zur Kultur der DDR

Persönliche Erinnerungen und wissenschaftliche Perspektiven- Paul Gerhard Klussmann zu Ehren

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Edited By Frank Hoffmann

Das Zusammenwachsen Deutschlands seit 1990 wurde von oft persönlich verletzenden Auseinandersetzungen über die Kultur der DDR und ihre ideologischen Grundlagen begleitet. Mancher Literatur- oder Bilderstreit wurde fast als Stellvertreterkrieg inszeniert. Die Beiträge dieses Bands plädieren, oft mit lebensgeschichtlicher Beglaubigung, für eine Versachlichung des Dialogs, ohne die Unterschiede von Diktatur und Demokratie einzuebnen. Mit einem weiten Kulturbegriff zeichnen sie ein differenziertes Bild kultureller Lebenswelten der DDR: von den Künsten und der Literatur über Wissenschaft, Mode, Konsumkultur und Auszeichnungswesen bis zu Geschichtsbewusstsein, Schule, Bildung und der Gegenwelt des evangelischen Pfarrhauses. Nationale und internationale Kontexte der DDR-Kultur werden erkennbar.
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Meritokratie oder „sozialistischer Feudalismus“? Überlegungen zum Auszeichnungswesen in der DDR

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Dietmar Petzina

Among over 200 state and thousands of „societal“ decorations in the GDR the Karl-Marx-Decoration and the Fatherland Order of Merit stuck out. This highest honors ceremony practice is being critically verified and differentiated for three phases on their socio-cultural significance on examples of important recipients: partially they may have served as instruments of distinction of emerging Socialist power elite. But at the same time they clearly symbolized the neo-feudal style of SED-dictatorship.

Nicht ohne Ironie ist festgestellt worden, dass „einiges Geschick“ dazu gehörte, als DDR-Bürger einer Auszeichnung aus dem Wege zu gehen.1 Selbstredend galt das nicht für Eppelmann selbst und andere prominente Dissidenten, doch enthielt diese Feststellung mehr als nur das sprichwörtliche Körnchen Wahrheit. Die DDR war bei Ehrungen nachgerade weltmeisterverdächtig, verfügte 1989 über 273 staatliche, ergänzt von mehr als 10.000 – wie es offiziell hieß – gesellschaftlichen Auszeichnungen. Die DDR ließ sich dieses Belohnungssystem jährlich 40 Millionen Mark kosten und selbst noch im Jahr des Mauerfalls produzierte die Münzprägeanstalt rund 47.000 Medaillen für staatliche Ehrungen und 550.000 sonstige Verdienstmedaillen. Im statistischen Durchschnitt hatte somit jeder Bürger während seines Lebens die Chance, zehn Auszeichnungen zu erhalten2 – von A wie „Aktivist der sozialistischen Arbeit“ bis Z wie „verdienter Züchter“.3 Was hat dieses Belohnungssystem mit der Kulturgeschichte eines Staates zu tun, der im Westen mitunter nur als Provisorium, als Betriebsunfall der Geschichte wahrgenommen wurde? Sehr viel, so meine Ausgangsthese: ← 209...

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