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Ethik in der Psychiatrie und Psychotherapie

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Edited By Florian Steger, Jan C. Joerden and Andrzej M. Kaniowski

Die Beiträge im vorliegenden Buch wurden auf der Tagung Ethik in der Psychiatrie und Psychotherapie vorgestellt und eröffnen neue Perspektiven in der Diskussion um diese beiden Bereiche medizinischer Praxis, die in ganz besonderer Weise zentrale ethische Fragen aufwerfen. Dies liegt einerseits an der Komplexität und Varianz psychischer Störungen. Andererseits stellt die Vulnerabilität psychisch erkrankter Patienten eine besondere ethische Herausforderung für die Bereiche Psychiatrie und Psychotherapie dar. Die sich daraus ergebenden ethischen Fragen bildeten den Hintergrund der Tagung. Ergänzt werden die Texte durch zwei ins Deutsche übersetzte Beiträge des polnischen Psychiaters Antoni Kępiński (1918–1972).
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Das sogenannte KZ-Syndrom. Versuch einer Synthese

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Antoni Kepinski

Vor ungefähr 12 Jahren schlug Dr. Stanisław Kłodziński, der selbst vier Jahre im KZ Auschwitz inhaftiert war, einigen Mitarbeitern der Psychiatrischen Klinik der Medizinischen Akademie in Krakau vor, sich mit dem Thema Konzentrationslager zu beschäftigen.1 Dieser Vorschlag wurde mit einigen Vorbehalten aufgenommen. Wie können Menschen, die selbst nicht im Lager waren, jene verstehen, die diese Hölle durchgemacht hatten; würden die ehemaligen Häftlinge bereit sein, mit Nichthäftlingen offen über sich zu sprechen; ist es nicht grausam, die Erinnerung an Lagererlebnisse wiederzubeleben; wie entsteht ein Bild von den Geschehnissen im Lager, reicht unsere Vorstellungskraft dazu aus. Wir empfanden ein Gefühl der Ohnmacht angesichts eines Problems, das die Grenzen alles Menschlichen überschreitet.

Mit Unterstützung des Krakauer Klubs ehemaliger Auschwitz-Häftlinge gelang es, Kontakte zu ehemaligen Häftlingen zu knüpfen. Diese Kontakte waren der wohl stärkste Anreiz, Forschungen über diese schwierige Problematik aufzunehmen. Wir führten Gespräche, die uns sehr gefesselt haben. Die zahlreichen Fragen, die dabei auftauchten, konnten einfach nicht mehr ignoriert werden. Es stellte sich heraus, daß diese auf den ersten Blick normalen Menschen ganz anders waren. Dieses „Anderssein“ wird offenbar, wenn sie beginnen, vom Lager zu sprechen; dann kommt Leben in sie, ihre Augen leuchten, sie werden gleichsam jünger um die Jahre, die sie vom Lager trennen; plötzlich wird alles wieder frisch und lebendig, sie können dem Bannkreis des Lagers nicht entkommen. Dort gab es...

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