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Aktualität der Metapher

Das Meer, die Metapher und die Sprache

Ina Paul-Horn

Der Bedeutung und Funktion von Metaphern nachzugehen und darüber aufzuklären, ist Aufgabe der Metaphorologie. Dieses Buch legt eine differenzierte Auseinandersetzung mit Hans Blumenbergs Metaphorologie vor, deren unterschiedliche Konzeptionen die Autorin in drei Schritten darstellt und erläutert. Ein wesentliches Ergebnis, das die Konzeptionen eint, liegt in der anthropologischen Neubestimmung des Menschen. Der speziellen Bedeutung von Meeresmetaphern in philosophischen Texten wird am Beispiel ausgewählter Autoren wie Kant, Hegel, Nietzsche, Simmel und Canetti nachgegangen, für die das Meer eine jeweils unterschiedliche metaphorologische Bedeutung hat.
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2. Königsberg, Stadt am Meer, schicklicher Platz der Menschen- und Weltkenntnis. Das Meer als Metapher bei Kant

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2.  Königsberg, Stadt am Meer, schicklicher Platz der Menschen- und Weltkenntnis. Das Meer als Metapher bei Kant22

Der Bogen des Metapherngebrauchs reicht bei Kant von der Kritik der reinen Vernunft, seiner erkenntnistheoretischen Grundlegung, bis hin zu seinen Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik. In den unterschiedlichen Bezugnahmen finden sich alle Zweideutigkeiten des Meeres versammelt, als Bild höchster Gefahr (des Untergangs) wie als völkerverbindendes Element einer gemeinsamen weltbürgerlichen Verfassung. Das Meer als Metapher ist ein Medium des Denkens. Denken bedeutet die Freiheit, „sich seine Bahn selbst vorzuzeichnen“, wie es Kant in seiner „Rezension zu Herders Ideen zur Philosophie der Menschheit“ postuliert, das entsprechende Bild dazu wäre das Steuern eines Schiffes auf dem Meer oder das Durchqueren der Wüste. „In einer unbefahrenen Wüste muss einem Denker gleich Reisenden frei stehen, seinen Weg nach Gutdünken zu wählen; man muss abwarten, wie es ihm gelingt und ob er, nachdem er sein Ziel erreicht hat, wohlbehalten wieder zu Hause, d.i. im Sitze der Vernunft zur rechten Zeit eintreffe und sich auch Nachfolger versprechen könne.“23 Kant sagt hier mindestens drei wichtige Dinge. Der Denker wird vorgestellt als ein Reisender; allerdings nicht als Teilnehmer an einer organisierten Reise und nicht als ClubMed-Tourist, der vom Flughafen direkt in sein Ferienressort transportiert wird; nein, Denken im Sinn von Reisen bedeutet, seinen Weg zu finden. Denken hat etwas damit zu tun, sich da einen Weg zu eröffnen, wo es noch keine Bahnen gibt, keine...

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