Show Less
Restricted access

«Der Papst und der Bienenkorb»: Marcel Reich-Ranicki als ein Akteur im literarischen Feld der Bundesrepublik

Jasmin Ahmadi

Das Buch befasst sich mit Deutschlands bekanntestem Literaturkritiker: Mit Marcel Reich-Ranicki betrat 1958 ein Akteur die literarische Bühne der BRD, der bis dahin kaum über Kontakte zum westdeutschen literarischen Feld verfügte. Dennoch gelang es ihm innerhalb von nur 15 Jahren zum Leiter der Redaktion für Literatur und literarisches Leben bei der FAZ zu avancieren und zu einer der zentralen Benennungsmächte des literarischen Feldes der Bundesrepublik aufzusteigen. Jasmin Ahmadi legt dar, wie es dem Kritiker über die Jahre gelang, die feldspezifischen Kapitalien zu erwerben, strategisch wichtige Positionen einzunehmen und die informelle Struktur des literarischen Feldes zu seinen Gunsten zu verändern. Als Analyseinstrument wird dazu Pierre Bourdieus Theorie des literarischen Feldes verwandt.
Show Summary Details
Restricted access

6. Auf dem Weg nach Westdeutschland: Reich-Ranickis letzte Jahre in Polen

Extract

6. Auf dem Weg nach Westdeutschland: Reich-Ranickis letzte Jahre in Polen

6.1 Eingrenzungen: Das literarische Feld Polens nach 1945

Hinsichtlich des Umstands, dass Reich-Ranicki sich nicht erst nach seiner Einwanderung in die BRD als Literaturkritiker etablierte, sondern bereits in den vorangegangenen Jahren in Polen in diesem Bereich tätig war, ist es von Bedeutung, das literarische Feld, in dem er sich in Polen bewegt hat, kurz zu beleuchten, um seinen Eintritt in die literaturkritische Szene der BRD in einem Entwicklungskontext verorten zu können.407

Die politischen Umstände in Polen 1949 hatten auf die Konstituierung des dortigen literarischen Feldes insofern Einfluss, als dieses sich zum einen nur noch schwer vom Feld der Macht abgrenzen konnte und zum anderen der heteronome Pol stärker dem Druck politischer und erst in zweiter Instanz ökonomischen Prinzipien unterlag.408 Wie weit das Feld der Macht in das literarische Feld hineinragte, ist unter anderem an dem dort vorhandenen Einfluss politischer Funktionäre zu erahnen. Denn obwohl diese im Regelfall auf keinerlei literarische Reputation zurückgreifen konnten, übten sie doch infolge ihrer politischen Autorität massiven Einfluss sowohl auf die Produzenten und deren Produkte als auch auf die Rezeption aus. Diese Faktoren wirkten dabei auf den nomos des Feldes ein, sodass diejenigen Akteure, die auf politischer Ebene an Einfluss gewannen, symbolisches Kapital und die damit einhergehende Konsekrationsmacht409 im literarischen Feld verloren und umgekehrt: Wer an symbolischem Kapital im Feld gewann, verlor in der Regel an ‚politischem‘ Kapital und lief damit Gefahr,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.