Show Less
Restricted access

Unwirtliche Landschaften

Imaginationen der Ödnis in Literatur und Medien

Edited By Sabine Eickenrodt and Katarína Motyková

Die Beiträge untersuchen Landschaften wie Wüste, Steppe, Puszta, Nordpol oder Walachei, die den disanthropischen Topos vom «Ende der Welt» aufnehmen. Neuere Erzählungen, Reiseberichte und Filme zeigen die ambivalente Faszinationskraft der Unwirtlichkeit vornehmlich «östlicher» Regionen. Dabei erweist sich die imaginierte Ödnis nicht selten als sekundäre Wildnis, als historisch verschuldete, «kontaminierte» Leere. Die Studien thematisieren Zeit- und Raumbilder sowie Topographien der Ödnis an Beispielen von Leopold von Sacher-Masoch, Per Olof Sundman, Caroline Pichler, Judith Schalansky, Christa Wolf, Christoph Ransmayr, Martin Pollack, Wolfgang Herrndorf, Hans-Ulrich Treichel, Uwe Johnson sowie im Heimatfilm Wolfgang Liebeneiners und in Michael Hanekes Filmapokalypse Wolfzeit.
Show Summary Details
Restricted access

Ausnahmezustand und Ambiguitätszone. Michael Hanekes Film Wolfzeit und Christoph Ransmayrs/Martin Pollacks Erzählung Der Wolfsjäger. Drei polnische Duette

Extract



Abstract: The paper compares and discusses the aesthetics of Michael Haneke’s film Le temps du loup/ Time of the Wolf (Wolfzeit; 2003) and Christoph Ransmayr’s/Martin Pollak’s short story Der Wolfsjäger. Drei polnische Duette (2011). It argues that both Haneke and the duo Ransmayr/Pollak make use of aesthetics of ambivalence to undermine dichotomous concepts as culture/nature, men/animal, friend/enemy. They turn political landscapes from states of exception into zones of ambiguity. Wolfzeit and Der Wolfsjäger can therefore be understood as a self-revision of the director’s and the author’s work in times of harsh political changes.

1.  Unterscheidung und Uneindeutigkeit

Dieser Beitrag widmet sich dem Film Wolfzeit (2003) von Michael Haneke und der Erzählung Der Wolfsjäger (2011)1 des Autoren-„Duetts“ Christoph Ransmayr und Martin Pollack, die in ihrer Landschaftsästhetik und Figurenkonstellation eine „Undeutlichkeits-, Ununterscheidbarkeits-, eine Ambiguitätszone“2 eröffnen. Im Anschluss an Gilles Deleuzes Überlegungen zur Ästhetik des ‚Werdens‘ fragt er nach der spezifischen Landschaftsästhetik dieser unwirtlichen „hyperboreische[n] Zone“, „die von den gemäßigten Zonen weit entfernt ist“,3 und zugleich nach dem Ort ihrer Bewohner innerhalb der Politischen Zoologie.4 Der Film und die Erzählung zeigen jeweils Landschaften und Figuren, in denen zwischen Kultur und Natur, Mensch und Wolf, Wirtlichkeit und Unwirtlichkeit ← 137 | 138 → nicht nur eine „Ähnlichkeit, sondern ein Gleiten, eine extreme Nähe; eine absolute Kontiguität; keine natürliche Abstammung, sondern ein widernatürliches Bündnis“5 besteht.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.