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Rettung vor Bodenlosigkeit

Neues Anfangsdenken und kosmologische Metaphern bei Locke, Leibniz, Kant, Fichte, Novalis und Jean Paul

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Monika Tokarzewska

Monika Tokarzewska zeigt, wie Locke, Leibniz, Kant, Fichte, Novalis und Jean Paul Motive aus der nachkopernikanischen und newtonschen Astronomie in Schlüsselmetaphern verwandeln und mit ihrer Hilfe die Möglichkeiten eines neuen Grundlagendenkens und -handelns im Angesicht der Verwissenschaftlichung des Weltbildes an der Schwelle zur Moderne austaxieren. Die Autorin beschreibt auch die starken Veränderungen, denen das Metaphernnetz unterlag. So fand es im 20. und 21. Jahrhundert einen späten Niederschlag in den Überlegungen von Hannah Arendt und Bruno Latour.
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Ausblick: der archimedische Punkt als Schlüssel zur Moderne bei Hannah Arendt und Bruno Latour

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Kafka hat sich einmal folgendermaßen zum archimedischen Punkt geäußert:

Er hat den archimedischen Punkt gefunden, hat ihn aber gegen sich ausgenutzt, offenbar hat er ihn nur unter dieser Bedingung finden dürfen.653

Kafka variiert die Anekdote, indem er aus der ursprünglichen Situation einen Paradoxon macht; der Mensch („er“) nutze den archimedischen Punkt gegen sich selbst aus, d.h. er betrachte sich selbst als den archimedischen Punkt, hebt sich selbst dabei aus den Angeln. Wir sehen den Menschen zum gleichen Zeitpunkt als den Beweger und den Bewegten, gespalten in Subjekt und Objekt, in Täter und Leidenden. Visuell ist Kafkas Anekdote gar nicht darstellbar, denn der Täter und das Objekt sind ja identisch, hier würde gar kein Hebel passen, es sei denn er hätte überhaupt keine Länge. Noch überraschender als diese paradoxe Auslegung der Archimedes-Anekdote klingt jedoch die Konstatierung Kafkas, der archimedische Punkt dürfe nur unter der Bedingung gefunden werden, dass der Mensch ihn gegen sich selbst ausnutzt.

Hannah Arendt verwandte diese Anekdote als Motto für das letzte Kapitel ihres Buches „Vita activa“. In diesem Kapitel geht es um die Neuzeit. Sie setzt mit Kafkas Aphorismus ein, um ihre Sicht der Neuzeit unter dem Zeichen des archimedischen Punktes zu entwickeln. Kafkas undarstellbare, in sich unmögliche Bild ist für sie ein Sinnbild für die Stellung des Menschen in der Neuzeit. In dieser späten Wiederaufnahme der alten Metapher ist der einstige Optimismus eines Descartes,...

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