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Gegen Staat und Kapital – für die Revolution!

Linksextremismus in Deutschland – eine empirische Studie

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Klaus Schroeder and Monika Deutz-Schroeder

Das Buch zeichnet ein differenziertes Bild vom aktuellen Linksextremismus in Deutschland. Die Autoren werfen einen kritischen Blick auf den Forschungsstand, beschreiben die Geschichte des Linksextremismus und entwickeln auf Basis der Selbstdarstellungen typischer linksextremer Gruppen eine Skala, die die verschiedenen Dimensionen eines linksextremen Einstellungsmusters umfasst. Auf dieser Grundlage führte Infratest dimap eine repräsentative Befragung der deutschen Bevölkerung durch, die die weite Verbreitung linksextremer Einstellungen in der Bevölkerung zeigt. Darüber hinaus erfolgt eine kritische Betrachtung der Diskussion um den Begriff «Extremismus». Der Zusammenhang von (Links-)Extremismus und Gewalt wird ebenso erörtert wie die Realität linksextremen Gewalthandelns. Hinzu kommen Interviews mit ehemaligen Linksradikalen und linksaffinen Jugendlichen.
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V. Die Autonomen

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V.  Die Autonomen

Die Autonomen gelten gemeinhin als gewaltbereite Linksextreme. Tatsächlich stellen sie laut Verfassungsschutzbericht den größten Teil des gewaltbereiten Potenzials. Darüber hinaus vertreten sie aber Inhalte, die sie von anderen linksextremen und linksradikalen Personen und Gruppen unterscheiden. Während die Mehrzahl das autonome Milieu schon nach wenigen Jahren wieder verlässt, gibt es eine Reihe alt gewordener Autonomer, die sich nach ihrer aktiven militanten Phase dem Schreiben von Erinnerungen und Programmatiken widmet. An ihren Selbstdarstellungen lassen sich die Grundzüge autonomen Denkens und Handelns erkennen.573

Kleine Geschichte der Autonomen

Die Autonomen sind kein neues politisches Phänomen. Zu ihren Vorläufern und Vorbildern gehört die Ende der 1960er Jahre in Italien entstandene soziale Bewegung „Autonomia Operaia“ („Arbeiterautonomie“).574 Sie war eine militante Bewegung, die Sabotageakte in Fabriken begingen und sich blutige Straßenschlachten mit der Polizei lieferte. Ihre Anhänger lehnten das staatliche Gewaltmonopol ab und versuchten, eigene Strukturen einer autonomen Gegenkultur aufzubauen. Als Wurzel jeglichen Übels galt ihnen der „bürgerlich-kapitalistische Staat“, der mit aller Macht zerstört werden sollte. Die wichtigsten Gruppen mit Einfluss auf die linksradikale Szene der Bundesrepublik waren Potere Operaia und Lotta Continua. ← 183 | 184 →

Zweiter wichtiger Vorläufer der Autonomen ist die Mitte der 1970er Jahre entstandene Sponti-Bewegung. Anders als die K-Gruppen setzte sie auf die „Spontaneität der Massen“, das Lustprinzip und öffentlichkeitswirksame Aktionen. Obwohl die Spontis sich von orthodox-kommunistischen Strömungen abgrenzten, verfolgten beide ein gemeinsames Ziel: die Abschaffung...

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