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Gegen Staat und Kapital – für die Revolution!

Linksextremismus in Deutschland – eine empirische Studie

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Klaus Schroeder and Monika Deutz-Schroeder

Das Buch zeichnet ein differenziertes Bild vom aktuellen Linksextremismus in Deutschland. Die Autoren werfen einen kritischen Blick auf den Forschungsstand, beschreiben die Geschichte des Linksextremismus und entwickeln auf Basis der Selbstdarstellungen typischer linksextremer Gruppen eine Skala, die die verschiedenen Dimensionen eines linksextremen Einstellungsmusters umfasst. Auf dieser Grundlage führte Infratest dimap eine repräsentative Befragung der deutschen Bevölkerung durch, die die weite Verbreitung linksextremer Einstellungen in der Bevölkerung zeigt. Darüber hinaus erfolgt eine kritische Betrachtung der Diskussion um den Begriff «Extremismus». Der Zusammenhang von (Links-)Extremismus und Gewalt wird ebenso erörtert wie die Realität linksextremen Gewalthandelns. Hinzu kommen Interviews mit ehemaligen Linksradikalen und linksaffinen Jugendlichen.
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VI. Der Streit um den Begriff Extremismus

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VI.Der Streit um den Begriff Extremismus

Freiheitlich-demokratisch verfasste Gesellschaften stehen konträr zu Regimen, in denen (zumeist selbst ernannte) Eliten mithilfe von Einheitsparteien die Gesellschaft autoritär zu durchherrschen oder sogar umfassend – totalitär – zu durchdringen versuchen. Während autoritäre diktatorische Systeme (lediglich) in die politischen und sozialen Verhältnisse hineinwirken und diese bestimmen wollen, greifen totalitäre Systeme darüber hinaus ideologisch in die Gesellschaft ein und zwingen dem Einzelnen ihre Weltanschauung auf, um den „neuen Menschen“ bzw. die „neue Gesellschaft“ zu schaffen und zu gestalten. In totalitären Systemen werden (links- bzw. rechts-)extreme Konzeptionen (auch gewaltsam) umgesetzt und praktiziert.

In der wissenschaftlichen Diskussion bestehen Differenzen in der Unterordnung von Links- und Rechtsextremismus unter den allgemeinen Begriff des Politischen Extremismus, nicht nur weil keine Gleichsetzung behauptet werden soll, sondern vor allem auch, weil Linksextremismus anders als Rechtsextremismus kein eigenständiger Forschungsbereich sei.765 Während sich die Rechtsextremismusforschung mit rechtsextremen Einstellungs- und Verhaltensdimensionen sowie rechtsextremen Inhalten befasst, gibt es keine einheitliche sozialwissenschaftliche Forschung zum Linksextremismus, sondern nur vereinzelte Forschungszweige zu Kommunismus, Anarchismus etc. Eher „linke“ Wissenschaftler begründen dies – wenig überzeugend – mit einem spezifischen Verständnis von Politikwissenschaft:

„Das Verständnis von Politikwissenschaft als Demokratiewissenschaft führt dazu, die Faktoren zu erforschen, die die Demokratie stärken – und bei der Erforschung jener, die sie schwächen, sich auf den Rechtsextremismus zu konzentrieren.“766 ← 239 | 240 →

Manfred G. Schmidt differenziert zwischen drei Versionen des Extremismusmodells: der verfassungstheoretischen Position, die Extremismus im...

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