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Gegen Staat und Kapital – für die Revolution!

Linksextremismus in Deutschland – eine empirische Studie

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Klaus Schroeder and Monika Deutz-Schroeder

Das Buch zeichnet ein differenziertes Bild vom aktuellen Linksextremismus in Deutschland. Die Autoren werfen einen kritischen Blick auf den Forschungsstand, beschreiben die Geschichte des Linksextremismus und entwickeln auf Basis der Selbstdarstellungen typischer linksextremer Gruppen eine Skala, die die verschiedenen Dimensionen eines linksextremen Einstellungsmusters umfasst. Auf dieser Grundlage führte Infratest dimap eine repräsentative Befragung der deutschen Bevölkerung durch, die die weite Verbreitung linksextremer Einstellungen in der Bevölkerung zeigt. Darüber hinaus erfolgt eine kritische Betrachtung der Diskussion um den Begriff «Extremismus». Der Zusammenhang von (Links-)Extremismus und Gewalt wird ebenso erörtert wie die Realität linksextremen Gewalthandelns. Hinzu kommen Interviews mit ehemaligen Linksradikalen und linksaffinen Jugendlichen.
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X. Der revolutionäre 1. Mai

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X.  Der revolutionäre 1. Mai

Demonstrationen und Kundgebungen am 1. Mai unter revolutionären Losungen haben im linksradikalen bzw. linksextremen Milieu einen hohen Stellenwert. Sie symbolisieren in zugespitzter Form, worum es den Politaktivisten aktuell und perspektivisch geht.

Aktivitäten jenseits der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie begannen im Rahmen der Neuen Linken am 1. Mai 1968 in West-Berlin. Etwa 40.000 Menschen folgten dem Aufruf des Sozialistischen Maikomitees, in dem neben Gruppen der außerparlamentarischen Opposition auch die SED Westberlin beteiligt war. Vertreter der APO forderten einen sozialistischen Mieterrat, einen Berliner Wirtschaftsrat zur Kontrolle des Investitionsfonds, die Einstellung der Subventionen an Privatunternehmer, die Kontrolle der Betriebe und der Produktion durch die Arbeiter. Den USA warfen die Demonstranten vor, Völkermord in Vietnam zu begehen. Der amerikanische Imperialismus hätte die Rolle des Hitler-Faschismus übernommen. An der Kundgebung nahm auch der italienische Verleger Giangiacomo Feltrinelli teil, der die APO davor warnte, von vornherein auf jede Gewalt zu verzichten.1410 Den Veranstaltern des 1. Mai ging es nicht nur um die Überwindung des Kapitalismus, sondern auch um die Zerschlagung des bürgerlichen Staates, mithin um ein anderes politisches System.

Im nachfolgenden Jahr startete der SDS die Kampagne „Für einen Roten Mai 1969“. In mehreren Städten, unter anderem in Stuttgart, Mannheim, Hamburg, Heidelberg und West-Berlin, demonstrierten sich selbst als revolutionäre Linke bezeichnende Personen erneut eigenständig, das heißt jenseits der vom DGB angemeldeten Demonstrationen. Den größten Zulauf hatte die von der außerparlamentarischen Opposition...

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