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Interpassives Mittelalter?

Interpassivität in mediävistischer Diskussion

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Edited By Silvan Wagner

In diesem Band wird zum ersten Mal innerhalb der Mediävistik versucht, das vom Konzept des performative turn geprägte Bild vom interaktiven Mittelalter zu hinterfragen. Ausgangspunkt ist Robert Pfallers Entwurf eines interpassiven Aktionsmodus: Das Mittelalter wird hierbei eben nicht als interaktive Kultur gesehen, die politisch, religiös und literarisch von performativ-interaktiven Gruppenphänomenen gekennzeichnet ist. Vielmehr können Menschen, statt selbst zu agieren, Interaktion offenbar auch an andere delegieren, haben dabei aber dennoch in gewisser Weise Teil an dieser Interaktion. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Germanistik, Geschichtswissenschaft und Theologie untersuchen in den Beiträgen dieses Bandes, welche Konsequenzen sich daraus für das Bild vom interaktiven Mittelalter ergeben. Sie spiegeln die Ergebnisse einer interdisziplinären Fachtagung zum Thema «Interpassivität und Mediävistik» wider.
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Der Glaube an Heroen und Minnende als ‚Glaube der anderen‘. Zugleich ein Beitrag zur mediävistischen Fiktionalitätsdiskussion

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0. Vorbemerkungen

Die Unterscheidung zwischen dem Gewöhnlichen und dem Außergewöhnlichen ist eine grundlegende. Wie jede basale Struktur lässt sie sich auf der Oberfläche vielfältig besetzen, etwa als Regel und Ausnahme, als Arbeit und Urlaub, als Alltag und Fest, als Wasser und Wein und so weiter und so fort. Auch aus dem Kreis der Menschen treten immer wieder Ausnahmegestalten hervor. Für unsere Gegenwartskultur können wir gut angeben, was sie vom Rest unterscheidet: Staatspräsidenten verfügen über institutionelle Macht; Stars über einen guten Teint, einen Riecher für Trends, mitunter auch über irgendeine Art von Talent; Spitzensportler über schnelle Beine oder starke Spritzen, Superreiche über enorm viel Geld. Dadurch erregen sie die Aufmerksamkeit der Massenmedien, die heute darüber entscheiden, wer als besonders zu gelten hat. Neben diesen faktualen Ausnahmegestalten, deren Status auf mehr oder minder nachvollziehbaren Eigenschaften beruht, stehen fiktionale wie Super- und Spiderman, mit denen uns Hollywood beliefert. Deren Fähigkeiten übersteigen das Menschenmögliche – sie können etwa durch die Luft sausen oder sich an Spinnenfäden durch die Schluchten der Skyscraper schwingen –, und genau deshalb wissen wir auch, dass es sich bei ihnen um fiktionale Figuren handelt. Unser Umgang mit Ausnahmegestalten wird also durch die Unterscheidung ‚faktual/fiktional‘ gesteuert.1

Außergewöhnliche Gestalten gehören freilich nicht nur der Gegenwart, ganz im Gegenteil: Gerade vormoderne Gesellschaften heben einzelne als Häuptlinge, Helden oder Heilige hervor. Entsprechend entwirft ihre ‚gepflegte Semantik‘2 exzeptionelle Figuren, wobei...

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