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Verdinglichung und Subjektivierung

Versuch einer Reaktualisierung der kritischen Theorie

János Weiss

Georg Lukács hat Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts die damalige Krise und das Krisengefühl nach dem ersten Weltkrieg mit dem Begriff der Verdinglichung zu erfassen versucht. Davon ist die Tradition der kritischen Gesellschaftstheorie ausgegangen. Dieses Werk hat zwei Ziele: einerseits soll gezeigt werden, dass dieser Begriff heute durch die Subjektivierung ergänzt werden muss, andererseits soll die These untermauert werden, dass diese Ergänzung in Ansätzen schon einige Vertreter der Frankfurter Schule vorgenommen haben.
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Vorwort

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„Lies mich!“ Es geht in diesem Buch um das Lesen (Wiederlesen, Rekonstruktion, Reaktualisierung) der Tradition der kritischen Theorie. „Die Tradition kritischer Theorie besteht in der Irritation ihrer Tradierung und weist über sie hinaus […].“1 Ich werde diese Tradition aus der Perspektive der Verdinglichungstheorie zu „lesen“ versuchen. – Die Motivationen zu dieser Studie verdanke ich den Tanner-Lectures von Axel Honneth, die er im Jahre 2005 an der Universität Berkeley gehalten hat (und die auch noch im selben Jahr erschienen sind).2 Davon ausgehend möchte ich die Theorie von Lukács sowohl rezeptionsgeschichtlich als auch systematisch „neu lesen“. (1) Honneth hat gezeigt, dass das grundsätzliche Konzept von Lukács nicht als Marxexegese, sondern in erster Linie als eine Zeitdiagnose der Weimarer Republik aufzufassen ist; da wollte ich die Frage anschließen nach den Erfahrungen, die hinter der lukácsschen Theorie standen. (2) Jürgen Habermas hat in seiner Theorie des kommunikativen Handelns die Verdinglichungstheorie von Lukács als Grundstein der Frankfurter Schule bezeichnet;3 ich werde also versuchen die frühe Geschichte der Frankfurter Schule im Lichte dieser Theorie zu rekonstruieren. (3) Ich meine, dass in Adornos Verdinglichungstheorie eine Wende eingeleitet wurde, deren Potenzial er aber nicht mehr ausschöpfen konnte. Er hat der Verdinglichung die Personalisierung an die Seite gestellt und so die Ausweitung der Verdinglichungstheorie zum Programm erhoben. (4) Aber erst die von Habermas in den neunziger Jahren vorgeschlagene Theorie der Detranszendentalisierung bietet einen Bezugsrahmen, in dem man die Verdinglichung und Subjektivierung als echte Einheit erfassen...

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