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Deutschlandismen in den Lernerwörterbüchern

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Chiara Scanavino

In Zeiten der Europäischen Union und der vereinfachten Mobilität innerhalb Europas ist es sehr wichtig, auf die eigene Sprachverwendung zu achten: Regional markierte Wörter erschweren die Kommunikation, besonders für die Lerner einer Fremdsprache, weil sie ungesteuert gelernt werden. Auch wenn die Standardsprache Deutschlands als überregional und übernational gilt, weicht sie vom Standard Österreichs und der Schweiz ab. Das Deutsche – wie das Englische und viele andere Sprachen auf der Welt – ist eine plurizentrische Sprache: Sie wird in mehreren Orten, den Zentren, kodifiziert. Deutschland verfügt über eine eigene nationale Varietät, auch wenn sich die Deutschen dessen nicht bewusst sind. Die Arbeit befasst sich mit den Deutschlandismen, den typischen, sprachlichen Merkmalen der Standardsprache Deutschlands, die von Ammon Teutonismen genannt werden, und zeigt, wie die Lexikographen sie behandeln sollten.
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A. Begriffsbestimmungen

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1. Plurizentrismus, Plurizentrizität, Plurizentrik

Die Debatte um die Plurizentrik der Sprachen begann bereits in der 1950er Jahren hinsichtlich des Englischen aufgrund der Studien der amerikanischen Linguisten William A. Stewart und Heinz Kloss1: Während sie zu Beginn den Terminus polyzentrische Sprache verwendeten, so wurde dieser wegen der späteren Kritik 1978 von Heinz Kloss in plurizentrische Sprache umgeändert, um hervorzuheben, dass eine Sprache nicht einheitlich ist. Sie tritt in verschiedenen Orten (Zentren) auf und variiert nicht nur hinsichtlich der jeweiligen geographischen Lage, sondern darüber hinaus aufgrund verschiedener politischer, wirtschaftlicher, militärischer oder demographischer Funktionen der einzelnen (Sprach-) Zentren, deren Sprache kodifiziert sein muss (vgl. A3). Daraus folgt, dass die Zentren normalerweise Staaten sind, die in mehrere substaatliche Zentren, wie z. B. Bayern für die deutsche Sprache, unterteilt werden können (Vgl. Ammon 1995: 95). Aus diesem Grund sprechen manche Wissenschaftler von plurinationalen Sprachen, wobei der Begriff ‚Nation‘ als Synonym für ‚Staat‘ verwendet wird. Das Adjektiv plurizentrisch ist trotzdem zu favorisieren, weil es zur Situation der deutschen Sprache besser passt. Eine Sprache muss nicht unbedingt mit einer Nation verknüpft sein. Zudem stimmt die Verbreitung der Dialekte nicht immer mit den Staatsgrenzen überein: Manche Eigenheiten des Schweizerdeutschen werden auch im Südwesten Deutschlands verwendet und einige Charakteristika des Bairischen sind auch in Österreich gängig (Zu der Situation in der Schweiz, vgl. Ammon 1995: 229–316, Di Paolo 2000, Koller 2000, Hägi 2005 und Wiesinger u. a. 2009: 259–277; zu...

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