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Zwischen Kreativität und Traditionsbewusstsein. Jean Sibelius’ Kammermusik vom Frühwerk zu «Voces intimae»

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Jorma Daniel Lünenbürger

Der Autor befasst sich mit der Kammermusik des finnischen Komponisten Jean Sibelius. Bevor dieser für seine Orchesterwerke berühmt wurde, schrieb er fast ausschließlich für kleinere Besetzungen. In späteren Jahren gab es hingegen nur noch einzelne Kompositionen. Eingebettet in den biographischen Kontext bildet die Analyse von sieben zyklischen Kammermusikwerken den Schwerpunkt des Buches. Neben den Gattungen Klaviertrio, Violinsonate und Klavierquintett steht dabei das Streichquartett an zentraler Stelle. Auf drei frühe Werke folgt Sibelius’ op. 56 mit dem vielsagenden Untertitel Voces intimae. Damit lieferte er einen bedeutenden Beitrag zur Gattungsgeschichte, der an der Schwelle zur Moderne zu neuen und innovativen Lösungen findet. Gerade durch seine kompositorische Kreativität entwickelte Sibelius ein immer differenzierteres Traditionsbewusstsein.
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I Die Frühe Kammermusik bis

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1889

1. Kindheit und Jugend in Hämeenlinna

Wie Sibelius’ systematische musikalische Ausbildung seinem kreativen Gestaltungswillen hinterherhinkt, lässt sich anhand wichtiger biographischer Daten darstellen. Der Umstand, dass der am 8. Dezember 1865 in der südwestfinnischen Provinzstadt Hämeenlinna (schwedisch Tavastehus) in eine schwedischsprachige Familie geborene Johan Christian Julius Sibelius1 mit seinen Geschwistern Linda (*1863) und Christian (*1869) nach dem frühen Tod seines Vaters im Juli 1868 im Kreise von ausschließlich weiblichen Erwachsenen aufwuchs, begünstigte offenbar sein musikalisches Umfeld: Seine Mutter zog zu ihrer Mutter und ihren Schwestern, von denen die jüngere, Juliana, Klavier spielte und auch Unterricht gab. So hatte der kleine Janne – wie er im familiären Kreis genannt wurde – schon als Kind die Möglichkeit, sich mit dem Klavier vertraut zu machen.2

Sibelius’ musikalische Entwicklung wurde von Anfang an von seinem kreativen Potenzial geprägt, das eine traditionelle Annäherung an die Musik in den Schatten stellte. Der Klavierunterricht, den er als Siebenjähriger von seiner Tante erhielt, brachte mäßigen Erfolg, weil Sibelius, anstatt zu üben, von Anfang an den Klang des Klaviers zum Improvisieren nutzte3 und gerne auch seiner Fantasie freien Lauf ließ.4 Später nahm er sich Märchen von Topelius ← 47 | 48 → und Andersen als Grundlage für die Erfindung von Theatermusik, bei der er im Kreis seiner Freunde sowohl Regisseur als auch musikalischer Leiter am Klavier war.5 Sibelius wendete sich irgendwann dem (autodidaktischen) Geigenspiel zu, was für ihn nicht...

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