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Zwischen Kreativität und Traditionsbewusstsein. Jean Sibelius’ Kammermusik vom Frühwerk zu «Voces intimae»

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Jorma Daniel Lünenbürger

Der Autor befasst sich mit der Kammermusik des finnischen Komponisten Jean Sibelius. Bevor dieser für seine Orchesterwerke berühmt wurde, schrieb er fast ausschließlich für kleinere Besetzungen. In späteren Jahren gab es hingegen nur noch einzelne Kompositionen. Eingebettet in den biographischen Kontext bildet die Analyse von sieben zyklischen Kammermusikwerken den Schwerpunkt des Buches. Neben den Gattungen Klaviertrio, Violinsonate und Klavierquintett steht dabei das Streichquartett an zentraler Stelle. Auf drei frühe Werke folgt Sibelius’ op. 56 mit dem vielsagenden Untertitel Voces intimae. Damit lieferte er einen bedeutenden Beitrag zur Gattungsgeschichte, der an der Schwelle zur Moderne zu neuen und innovativen Lösungen findet. Gerade durch seine kompositorische Kreativität entwickelte Sibelius ein immer differenzierteres Traditionsbewusstsein.
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Schlusskapitel

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1. Späte Kammermusikwerke und die Tonarten

Am 6. Dezember 1915 gab es zu Ehren von Sibelius, der zwei Tage später seinen 50. Geburtstag feierte, ein Konzert am Musikinstitut in Helsinki mit ausschließlich kammermusikalischen Werken des Jubilars. Es wurden das B-Dur-Quartett, Kyllikki op. 40 für Klavier, die Sonatine op. 80 für Violine und Klavier und das Quartett Voces intimae aufgeführt.1 Es war zu Sibelius’ Lebzeiten wahrscheinlich die einzige Aufführung von Kammermusikwerken mit Entstehungszeiten, die über ein Vierteljahrhundert gestreut waren. Die Sonatine war erst wenige Monate zuvor entstanden und bildet als das späteste, wenn auch nicht gewichtigste Werk dieses Abends den Abschluss der zyklischen Kammermusikwerke. Sie kann als eine Art kammermusikalisches Vermächtnis interpretiert werden, in deren Entstehungszeit Sibelius seiner Jugendwerke gedachte.2 Die gründliche Untersuchung der späten Kammermusik, die im Wesentlichen aus kleinen Stücken für Violine und Klavier besteht, ist ein Desiderat der Forschung, das den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.3 Dennoch erscheint ein knapper Blick auf diese Werke sinnvoll, weil sich hier manche Erkenntnisse aus den früheren Werken spiegeln oder weiterführen lassen.

Nach dem Quartett Voces intimae hat Sibelius in zwei Phasen noch Kammermusikwerke geschrieben. Die erste Phase während der Zeit des ersten Weltkriegs umfasst siebzehn Stücke für Violine und Klavier, die in Gruppen zusammengefasst sind. In dieser Zeit war Sibelius von seinem deutschen Verleger Breitkopf & Härtel abgeschnitten und verkaufte kleine Stücke an finnische...

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