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Die Praxis der/des Echo

Zum Theater des Widerhalls

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Edited By Veronika Darian, Micha Braun, Jeanne Bindernagel and Miroslaw Kocur

Der Band versammelt Lektüren gegenwärtiger und historischer Konstellationen in Theater, Text und Kunst, die Echo als Figur und Phänomen nachspüren. Im antiken Mythos ist die Nymphe Echo zur ohnmächtigen Wiederholung fremder Rede verdammt. Sie wird zum Sinnbild eines defizitären, vom Anderen abhängigen Wesens. Doch birgt der Widerhall mehr in sich, verweist er doch auf das widerständige Moment einer Zergliederung jedes «eigentlichen» Ausdrucks. Echos körperlose Stimme gemahnt an die Medialität der Kommunikation, das Entgleiten des Sinns, die Grenzen der Mitteilbarkeit und die Ambivalenzen einer Aneignung der Vergangenheit. Damit aber wohnt ihr ein entschieden theatrales Element inne. Echo wird als eigene Praxis wirksam.
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Endlich leben. Heiner Müllers Theater der Zukunft

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ICH HABE DIR GESAGT DU SOLLST NICHT WIEDERKOMMEN TOT IST TOT1

Das Zitat aus Heiner Müllers Bildbeschreibung fasst eine widersprüchliche Bewegung: Zum einen fixiert es eine Geste vollkommener Abwehr, die das Andere in den Bereich der Nicht-Existenz stoßen möchte. Zum anderen provoziert die Vehemenz dieser Abwehr die Einsicht, dass das Ich von diesem Anderen besetzt und beherrscht ist.

In der Projektskizze dieses Symposiums ist die Figur der oder des Echo als Position gekennzeichnet, die von einer tiefen Ohnmächtigkeit durchdrungen ist.2 Mit dem Entzug der eigenen, autonomen Rede und dem Fluch, das Vorangegangene wiederholen zu müssen, wird die Position der/des Echo scheinbar in die Peripherie des Abendlandes gestoßen. Doch wie im Zitat aus der Bildbeschreibung wirft gerade diese radikale Verstoßung und Entmächtigung die Frage nach dem Verhältnis des angeblich souveränen, sich selbst setzenden Originären und dessen, was in den Grenzbereich der Existenz gebannt wurde. Anders gesagt: Je mehr die Wiederholung als radikal entmächtigte und bedeutungslose Position markiert wird, desto vehementer stellt sich die Frage nach ihrem Zugriff auf die Gegenwart – auf uns Heutige.

Dass die oder das Echo über ein ungeahntes Potential verfügt, legt uns Georges Didi-Huberman in seinem Band über den Kunsthistoriker Aby Warburg Das Nachleben der Bilder nahe. Er erkennt in den »vollständigsten toten, weil am tiefsten vergrabenen und phantomartigsten, die am stärksten verdrängten, die obskursten, die fernsten und zähesten Elemente einer Kultur...

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