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Die Praxis der/des Echo

Zum Theater des Widerhalls

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Edited By Veronika Darian, Micha Braun, Jeanne Bindernagel and Miroslaw Kocur

Der Band versammelt Lektüren gegenwärtiger und historischer Konstellationen in Theater, Text und Kunst, die Echo als Figur und Phänomen nachspüren. Im antiken Mythos ist die Nymphe Echo zur ohnmächtigen Wiederholung fremder Rede verdammt. Sie wird zum Sinnbild eines defizitären, vom Anderen abhängigen Wesens. Doch birgt der Widerhall mehr in sich, verweist er doch auf das widerständige Moment einer Zergliederung jedes «eigentlichen» Ausdrucks. Echos körperlose Stimme gemahnt an die Medialität der Kommunikation, das Entgleiten des Sinns, die Grenzen der Mitteilbarkeit und die Ambivalenzen einer Aneignung der Vergangenheit. Damit aber wohnt ihr ein entschieden theatrales Element inne. Echo wird als eigene Praxis wirksam.
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Macht es für Euch! – Zum Echo des Chores im Theater von René Pollesch

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Die Erscheinung des Chores im Theater folgt einer eigenen Logik und einer eigenen Ökonomie, die sich weder in Repräsentation erschöpfen noch in der illusionären Versetzung in eine andere Persönlichkeit oder auf einen anderen Schauplatz. Im Chor ist immer auch der Rahmen gegenwärtig, der das Theater konstituiert und über die szenische Situation zwischen einzelnen Akteuren hinausreicht. Dabei ist ein Chor nicht auf Sprechen und Singen, also auf das Register der Stimme(n) beschränkt, sondern gleichzeitig von der Vielheit der an ihm beteiligten Körper und ihrer Bewegungen geprägt. In einigen zeitgenössischen Theaterproduktionen, die kaum mehr etwas zu tun haben mit dem Chor der antiken Tragödie oder mit der Idee des Chors als einer ästhetischen Überhöhung des Spiels, kommt diese körperliche Dimension des Chorischen wieder zur Geltung. Exemplarisch dafür ist das Theater von René Pollesch, der sich in den letzten Jahren verstärkt mit dem Chor als einem kollektiven Körper im Kontrast zu den einzelnen Schauspielern beschäftigt hat. Hier tritt ein Aspekt des Chorischen auf neue Weise in den Vordergrund, der für Polleschs Theaterarbeit grundlegend ist – ein Sprechen und Agieren im Modus des Widerhalls, des Echos, der uneigentlichen und wiederholenden Artikulation. Wie im Folgenden an einigen neueren Pollesch-Produktionen gezeigt werden soll, entfalten sich Echostrukturen darin nicht nur durch formale Effekte der Wiederholung und Wiederkehr einzelner Worte und Sätze oder im Recycling von Filmstoffen und Theoriediskursen. Das Echo des Chores in diesem Theater ist ein...

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