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Die Praxis der/des Echo

Zum Theater des Widerhalls

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Edited By Veronika Darian, Micha Braun, Jeanne Bindernagel and Miroslaw Kocur

Der Band versammelt Lektüren gegenwärtiger und historischer Konstellationen in Theater, Text und Kunst, die Echo als Figur und Phänomen nachspüren. Im antiken Mythos ist die Nymphe Echo zur ohnmächtigen Wiederholung fremder Rede verdammt. Sie wird zum Sinnbild eines defizitären, vom Anderen abhängigen Wesens. Doch birgt der Widerhall mehr in sich, verweist er doch auf das widerständige Moment einer Zergliederung jedes «eigentlichen» Ausdrucks. Echos körperlose Stimme gemahnt an die Medialität der Kommunikation, das Entgleiten des Sinns, die Grenzen der Mitteilbarkeit und die Ambivalenzen einer Aneignung der Vergangenheit. Damit aber wohnt ihr ein entschieden theatrales Element inne. Echo wird als eigene Praxis wirksam.
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Meeresrauschen. Das Echo der Antigone in Masataka Matsudas und Marebito-no-Kais szenischer Begehung von Minami-soma.

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Günther Heeg

Meeresrauschen Das Echo der Antigone in Masataka Matsudas und Marebito-no-Kais szenischer Begehung von Minami-soma

I.  Die Welt in der Muschel. Land und Meer

Wenn man als Kind eine Muschel ans Ohr hielt und lauschte, konnte man darin das Meer rauschen hören. Ich erinnere mich an den leichten Schwindel, der einen darüber erfasste, dem Fernen so nah und dem Nahen entrückt zu sein. Später hieß es, es sei nur das Rauschen des eigenen Blutes, das die Muschel zurückwerfe. Aber auch das stimmt so nicht. Was man in Wahrheit hört, ist die Verstärkung vorhandener Umweltgeräusche. Presst man die Muschel ans Ohr, schirmt man sich einerseits gegen seine Umgebung ab. Andererseits werden die Töne, die im Resonanzbereich der Luftsäule im Inneren der Muschel liegen, durch Schwingungsübertragungen verstärkt und hörbar gemacht. Soweit die naturwissenschaftliche Erklärung. Bemerkenswert, dass sich nichts an der fortdauernden Faszination des Meeresrauschens in der Muschel geändert hat. Es ist ein akustischer Mythos, der sich durch die Aufklärung seines Geheimnisses hindurch erhält, weil er das Begehren des Fremden raumzeitlich strukturiert. Zunächst als Entgrenzung des Hier und Jetzt durch das Rauschen, das die konkreten Dinge und Töne akustisch überblendet und überlagert. Zweitens als Entfernung von sich selbst durch die Trennung der Sinne: ihr räumliches Auseinandertreten im Lauschen hin auf ein Anderswo, in der Fixierung des Sehens an die alltägliche...

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