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Menschenwürde – Probleme der Begründung und Geltung einer universalen Norm

Hans-Georg Babke

Die Garantie der unantastbaren Menschenwürde hat sich zu einer universalen ethischen und rechtlichen Norm herausgebildet. Sie wird jedoch in Abhängigkeit vom jeweiligen weltanschaulichen und religiösen Hintergrund unterschiedlich begründet. Diese Uneinheitlichkeit der Begründungen könnte sich negativ auf deren Geltung auswirken. In rechtlicher Hinsicht hat sie sich zu einer positiv-rechtlichen subjektiven Anspruchsnorm entwickelt. Daraus ergeben sich im konkreten Entscheidungsfall Operationalisierungsprobleme, beispielsweise beim Ausgleich milieubedingter Nachteile von Bildungschancen und gesellschaftlicher Teilhabe.
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Würde und religiöse Bildung im Modus des Bildens und Gebildetwerdens

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1.    Hinführung: Menschenwürde und religiöse Bildung – eine paradoxale Aufgabe

Menschenwürde und religiöse Bildung in Beziehung zu setzen ist eine paradoxale Aufgabe: Ein säkulares Verfassungsprinzip soll zur Bildungsaufgabe gemacht und gerade auch in seiner säkularen Geltung bestärkt werden. Zugleich soll dieses Prinzip in religiösem Kontext in Beziehung gesetzt und damit im Blick auf das Christentum als spezielles Religionsphänomen auch als Moment christlicher Wahrheitserfahrung notiert werden. Kann Menschenwürde in der Spannung zwischen säkularem Prinzip und religiös affiner Bestimmung zur Bildungsaufgabe werden?

Nicht zu vergessen ist, dass dieses Spannungsverhältnis in der Ideengeschichte der Menschenwürde nicht neu ist. Obwohl die Menschenwürde lange vor ihrer rechtlichen Festschreibung von altkirchlichen Autoren im Kontext der biblisch-christlichen Tradition begründet wurde,1 gab es im historischen Verlauf immer wieder insbesondere von ← 43 | 44 → kirchlicher Seite Widerstände gegen die Idee der Menschen- und Freiheitsrechte. Mit dieser Idee war jedoch die Menschenwürde, so wie sie im Rechtskontext gängig begriffen wird, verknüpft. Die katholische und evangelische Kirche hegten deshalb lange Zeit bestehende und bis in die Gegenwart reichende Vorbehalte gegenüber der Menschenwürde und den Menschenrechten. Im Jahr 1791 verwarf Papst Pius VI in Reaktion auf die französische Nationalversammlung die Idee einer angeborenen Freiheit des Menschen, und Papst Pius IX verurteilte Mitte des 19. Jahrhunderts die Menschenrechte als „absurde Prinzipien“.2 Im weiteren historischen Verlauf haben die beiden großen christlichen Kirchen ihre...

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