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Pragmatische Phraseologismen und ihre lexikografische Darstellung

Am Beispiel eines mehrsprachigen elektronischen Spezialwörterbuches für Übersetzer

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Anna Ruusila

Muttersprachliche Sprachbenutzer sind in der Lage, andere Menschen normgerecht zu begrüßen, einen schönen Tag zu wünschen, Beileid auszusprechen und emotive Reaktionen wie Enttäuschung und Freude zu verbalisieren. In einer Diskussion können sie u.a. das Thema wechseln, die Aufmerksamkeit des Gesprächspartners wecken und Formulierungsschwierigkeiten zum Ausdruck bringen. Das heißt, dass wir Sprachbenutzer in unserer alltäglichen Kommunikation pragmatische Phraseologismen verwenden. Die Studie beschreibt den Status quo der lexikografischen Darstellung dieser Phraseologismen in den heutigen Wörterbüchern. Es werden zudem Wörterbuchartikelmodelle für pragmatische Phraseologismen konzipiert, die für ein elektronisches Übersetzungswörterbuch mit Deutsch, Finnisch und Französisch gedacht sind.
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4. Zur Übersetzung pragmatischer Phraseologismen

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Phraseologismen sind im Laufe der letzten Jahrzehnte aus kontrastiver Perspektive aktiv untersucht worden.99 Kontrastive Phraseologie setzt sich zum Ziel, phraseologische Einheiten auf der Systemebene, d. h. auf der Ebene der langue, zu kontrastieren, wobei erstrangig denotative und strukturelle Eigenschaften im Mittelpunkt stehen. Wenn Phraseologismen und ihre Übersetzungen recherchiert werden, handelt es sich um Untersuchungen auf der Ebene der parole: Man beschäftigt sich nicht mit dem Sprachsystem, sondern mit der Sprachverwendung, wobei der sprachliche Kontext eine bedeutende Rolle spielt. (Siehe u. a. Günther 1990, 505; Korhonen 2004, 581; Koller 2007, 606; vgl. auch Mitrache 2004, 228).

Kontrastive Phraseologie kann als Ausgangspunkt und Hilfsmittel bei der Betrachtung von Phraseologismen und ihren Übersetzungen dienen (Koller 1994, 357; 2007, 605). Die kontrastive Phraseologie und die übersetzungsbezogene Phraseologieforschung haben auch einiges gemeinsam: den Begriff der Äquivalenz.100 In den früheren kontrastiven Arbeiten zu den Phraseologismen geht es gerade um ihre Untersuchung auf der Ebene der langue sowie um die Klassifikation von Äquivalenzbeziehungen (Liimatainen 2012, 299f.). Korhonen (2007b, 576f.) z. B. nennt als Äquivalenzparameter der Phraseologismen auf der Ebene der langue Bedeutungsidentität auf denotativer Ebene, Struktur, Idiomatizität, Bildhaftigkeit, Stabilität, Konnotation und Valenz.

Der Begriff der Äquivalenz an sich ist jedoch sehr komplex. Besonders im Bereich der Übersetzungstheorie ist er auch höchst problematisch (siehe bspw. C. Nord 2009, 24f.), und im Laufe der Zeit ist er sogar als völlig fehlerhaft beschrieben worden: „the term equivalence, apart from being imprecise and ill-defined [--] presents an illusion of...

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