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Globale Wissensdiffusion in der Politik sozialer Sicherung

Die Einführung einer gesetzlichen Unfallversicherung in der Volksrepublik China

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Tao Liu

Die Studie analysiert erstmals die Einführung einer gesetzlichen Unfallversicherung in China in den 2000er Jahren, basierend auf umfangreichen Feldforschungen. Mit der Unfallversicherung hat sich China für die Idee individueller sozialer Rechte geöffnet, die weder in der konfuzianischen noch der sino-kommunistischen Tradition verankert ist. Der Autor zeigt, dass dieser Durchbruch wesentlich auf Prozesse globaler Wissensdiffusion zurückzuführen ist, zu der internationale Organisationen und vor allem die Träger der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung beigetragen haben. Ergänzend wird die weltweite Verbreitung unterschiedlicher Modelle der Unfallversicherung dargestellt. Theoretisch wird die Diffusion in den Zusammenhang einer emergierenden «Weltkultur» gestellt.
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Kapitel 1 Einleitung

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In der heutigen globalisierten Welt ist ein Trend zur Entgrenzung von Wissen zu beobachten. Obwohl Wissenschaftler nach wie vor meist in nationalen Staaten verortet sind, lösen sich die Grenzen für das Wissen selbst immer mehr auf. So kann man z.B. schwer zwischen französischem, deutschem und chinesischem Wissen unterscheiden. Das Wissen überschreitet die nationalstaatliche Einschränkung und verlangt nach seiner globalen Gültigkeit. Die nationale Entwicklung ist daher heute weniger „national“, als vielmehr „global“ geprägt. Im Lauf der verdichteten weltumspannenden Kommunikationen ist der Trend sichtbar, dass Wissen weltweit transferiert wird und die Nationalstaaten zunehmend in ein globales Strukturmuster eingebettet sind.

In Bezug auf die globale Wissensdiffusion stellt sich jedoch immer wieder eine wichtige Frage: Sind auch derart mächtige Nationalstaaten wie die USA und China beeinflussbar (vgl. Finnemore 1996a und b)? Wenn ja, bleibt logisch zu erklären, aus welchen Gründen diese mächtigen Akteure ihre hegemoniale Macht abgeben und sich einem globalen institutionellen Strukturmuster unterordnen wollen. Wird ein Land wie China, dessen eigenwillige Vorgehensweise häufig mit globalen Normen kollidiert, ebenfalls in eine globale Institution eingebunden sein? Bei der Beantwortung dieser Frage ist zu berücksichtigen, dass sich in China ein modernes Rechtsbewusstsein für das Individuum aufgrund der chinesischen Tradition des Konfuzianismus und des Sinokommunismus nicht entwickeln konnte. Für Wissenschaftler ist es daher lehrreich zu verfolgen, ob sich ein dynamisches Land im rapiden Wandel wie die VR China ebenfalls an eine globale Normeninstitution angleicht.

Ich strebe in...

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