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Globale Wissensdiffusion in der Politik sozialer Sicherung

Die Einführung einer gesetzlichen Unfallversicherung in der Volksrepublik China

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Tao Liu

Die Studie analysiert erstmals die Einführung einer gesetzlichen Unfallversicherung in China in den 2000er Jahren, basierend auf umfangreichen Feldforschungen. Mit der Unfallversicherung hat sich China für die Idee individueller sozialer Rechte geöffnet, die weder in der konfuzianischen noch der sino-kommunistischen Tradition verankert ist. Der Autor zeigt, dass dieser Durchbruch wesentlich auf Prozesse globaler Wissensdiffusion zurückzuführen ist, zu der internationale Organisationen und vor allem die Träger der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung beigetragen haben. Ergänzend wird die weltweite Verbreitung unterschiedlicher Modelle der Unfallversicherung dargestellt. Theoretisch wird die Diffusion in den Zusammenhang einer emergierenden «Weltkultur» gestellt.
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Kapitel 6 Die Arbeitsunfallversicherung im kommunistischen China

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6.1 Kommunistische Wohlfahrtsideologie

1949 besiegten die kommunistischen Truppen die nationalistische Partei in China. Am 01.10.1949 rief der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) Mao Zedong die Gründung der Volksrepublik China aus. Zu Beginn des neuen Chinas war die KPCh einer Situation der Anarchie ausgesetzt: Die Volkswirtschaft brach wegen des kontinuierlichen Bürgerkriegs zwischen Nationalisten und Kommunisten zusammen, die Inflation stieg auf eine zweistellige Zahl an, das Volk litt an Gütermangel. Die neue chinesische Regierung hatte unter der Führung der KPCh den ersten Fünfjahresplan der Volkswirtschaft entworfen, dessen Mottos: „Lernen vom sowjetischen Vorbild der Industrialisierung“ lautete. Der Schwerpunkt der Entwicklung lag darauf, alle nationalen Ressourcen zu mobilisieren, um die Schwerindustrie in einem kurzen Zeitraum voranzutreiben. Unter diesem Modell verstaatlichte die KPCh alle Unternehmen mit verschiedenen Eigentumsverhältnissen. Gleichzeitig wurden auch die Ackerländer verstaatlicht und den Bauern zugeteilt. 1956 wurden die den Bauern zugeteilten Ackerländer erneut kollektiviert und alle Bauern wurden in Volkskommunen organisiert (Dohmen 1979).69

Durch die radikale Reform der KPCh verfügte der neue chinesische Staat über massive Ressourcen und war deswegen in der Lage, durch politische Zuwendung die Schwerindustrie zu fördern. Somit wandelte sich die chinesische Gesellschaft von einer agrarischen in eine industrielle Gesellschaft. Diese neue Industrialisierungspolitik wurde in China als „Schere zwischen Industrie und Landwirtschaft“ bezeichnet; das bedeutete, dass das Interesse der Bauern geopfert wurde, um die Industrialisierung landesweit zu fördern. Die Preise der agrarwirtschaftlichen Produkte wurden künstlich auf dem niedrigsten Niveau...

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