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Wege zur späten Lyrik von Elisabeth Langgässer

Übersinnliches erfahren im sinnlich Wahrnehmbaren

Niels Kranemann

Elisabeth Langgässer (1899–1950) war in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine der literarischen Hoffnungsträgerinnen in Deutschland. Doch nachdem sie 1936 als Halbjüdin im NS-Staat Schreibverbot erhalten hatte, musste sie unter ständigen Schikanen und Bedrohungen leiden. In ihren letzten fünf Lebensjahren entstand eine Reihe von Gedichten, die sie unter dem Titel Metamorphosen herausgeben wollte. Ihr früher Tod vereitelte jedoch diese Absicht. Acht der Metamorphose -Gedichte werden in diesem Band interpretiert. Die Textanalysen zeigen, dass Langgässer «das Sinnliche für das Übersinnliche, die Natur für das Jenseits-aller-Natur transparent» zu machen verstand, wie ihr Ehemann W. Hoffmann einmal schrieb. Sie zeigen aber auch, welch breiten Varianten-Spielraum es in diesen aus Naturbeobachtung, antiker Mythologie und christlichem Glauben geschaffenen Textmontagen gibt. Die Gedichte zählen zu den virtuosesten, bilder- und gedankenreichsten Sprachkunstwerken des 20. Jahrhunderts.
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„wie deutlich die Hand und der Finger Gottes“

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Im Sommer 1946 erschien im Verlag Kurt Desch, München, die Gedichtsammlung De Profundis. Deutsche Lyrik in dieser Zeit. Eine Anthologie aus zwölf Jahren. Der Herausgeber Gunter Groll hatte in das 470 Seiten starke Buch ausschließlich Gedichte solcher Autoren aufgenommen, „die während der letzten zwölf Jahre in Deutschland lebten“. Stimmen von Frauen und Männern des „anderen Deutschlands“, die nicht ins Exil gegangen waren, sollten nach dem Ende der Diktatur der deutschen Öffentlichkeit vernehmbar gemacht werden.1

Die alphabetisch geordneten Autoren – von Bergengruen bis Wiechert – waren mit jeweils mehreren zumeist unveröffentlichten Gedichten vertreten, denen eine kurze biographische Anmerkung vorangestellt war. Fünf Gedichte in De Profundis stammen von Elisabeth Langgässer. Das letzte trägt den Titel Frühling 1946.

In seiner biographischen Notiz schreibt der Herausgeber:

„Das Gedicht ‚Frühling 1946‘ ist dem Töchterchen der Verfasserin gewidmet, das aus ‚rassischen Gründen‘ der Mutter fortgenommen und in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt wurde. Das Kind war dort nach dem Kriege vermißt, wurde jedoch im Frühjahr 1946 aufgefunden und der Mutter wiedergegeben.“2

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