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Subjekte im Experiment

Zu Wilhelm Wundts Programm einer objektiven Psychologie

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Nora Binder

Dieses Buch widmet sich der Experimentalpsychologie Wilhelm Wundts. Dieser etablierte 1879 das weltweit erste experimentalpsychologische Labor und gilt als Gründervater der wissenschaftlichen Psychologie. Er entwarf ein innovatives Forschungsprogramm, welches auf die Objektivierung psychologischer Selbstbeobachtung zielte. Die Autorin fragt nach dem Status des Subjekts in Wundts Experimentalpsychologie. Sie rekonstruiert die experimentelle Praxis der Introspektion und verortet diese im Spannungsfeld zeitgenössischer epistemischer Ideale. Damit wird ein Kernproblem der akademischen Psychologie zwischen 1880 und 1920 angesprochen – die hochkomplexe Frage, ob und wie sich in der experimentellen Selbstbeobachtung objektives Wissen über die Psyche des Subjekts gewinnen lässt.
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3. Experimentelle Subjekte am Leipziger Institut

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3.  Experimentelle Subjekte am Leipziger Institut

Nachdem im vorigen Kapitel hauptsächlich Wundts theoretische und methodologische Annahmen dargelegt wurden, gerät im Folgenden die Praxis am Leipziger Institut in den Fokus – und zwar im Hinblick auf die Figur des Selbstbeobachters. Zunächst gilt es daher die epistemische Tugend des geschulten Urteils zu erörtern, um im Laufe des Kapitels zu untersuchen, inwiefern diese im Labor zum Einsatz gebracht wird. Anschließend werden die Entstehung des ersten experimentalpsychologischen Instituts, sein Aufbau und die dortigen Abläufe geschildert. Im darauf folgenden Punkt können dann die Wundt-spezifische Beobachterrolle und ihre Anordnung innerhalb der Experimentalsituation dargelegt und gegenüber alternativen Modellen abgegrenzt werden. Ausgehend hiervon lässt sich konkretisieren, welches experimentelle Subjekt Wundt’sche Versuche in Szene setzten, welche spezifischen Fähigkeiten dieses beherrschen musste und inwiefern deren Einsatz sowohl der Tugend der mechanischen Objektivität wie auch derjenigen des geschulten Urteils entsprach.

3.1 Das Labor: Wo der „Geist“ der neuen Psychologie seine Schüler umweht

Wundt hatte das Labor ausdrücklich für die Forschungszwecke seiner Studenten vorgesehen, die in diesen Räumlichkeiten aufeinander trafen. Damit folgte er einem in Deutschland allgemein vorherrschenden Trend, Lehre und Forschung in spezifischen Organisationsformen miteinander zu verbinden. Gerade in den noch jungen Wissenschaften wurde die Ausbildung von Studenten in Universitäten, Instituten und Laboren verstärkt betrieben.173 Die ← 59 | 60 → Ansichten Wundts zur Rolle und Funktion eines universitären Labors lassen sich anhand eines Finanzierungsgesuchs von 1879...

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