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«Unbeteiligte» und Betroffene

Aspekte der Wahrnehmung der NS-Konzentrationslager während des Zweiten Weltkriegs sowie nach Kriegsende

Edited By Bogusław Dybaś, Irmgard Nöbauer and Joanna Ziemska

Das Buch ist eine Bestandsaufnahme der KZ-Gedenkstättenlandschaft in Österreich und Polen und geht der Frage nach, wie die nationalsozialistischen Konzentrationslager von unterschiedlichen Gruppen erlebt und wahrgenommen wurden. Die «Unbeteiligten» und Betroffenen der Welt außerhalb der Konzentrationslager sowie ihr Wissen und Nichtwissen über deren Bestehen sind hierbei von besonderem Interesse. Das in Anführungszeichen gesetzte Wort «Unbeteiligte» soll dabei verdeutlichen, dass es kaum möglich war und ist, unbeteiligt am Rande zu stehen. Thematisiert werden im Buch daher auch Formen des Erinnerns und Gedenkens, Zeitzeugenprojekte sowie die Erfahrung, als Tochter eines ehemaligen KZ-Häftlings aufgewachsen zu sein.
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Die drei Welten von Stutthof: Kurort – Lager – Normalität

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Im Kontext der mit den ehemaligen Konzentrationslagern verbundenen Bilder und Vorstellungen bedienen wir uns einfacher und leicht verständlicher gedanklicher Vereinfachungen sowie verallgemeinernder Urteile. Alles erscheint uns überwiegend schwarz-weiß und auf der Grundlage von Gegensatzpaaren wie gut/schlecht und positiv/ negativ konstruiert. Die gedanklichen Begriffe resultierten aus unserem begrenzten Gesamtwissen sowie der Konzentration auf die charakteristischen Bilder der Lager: Kamine, Baracken, Menschen in Häftlingsanzügen, Stacheldrahtzäune. Doch sind all diese gut bekannten Bilder aus dem Mikrokosmos des Lagers nur ein Ausschnitt einer größeren Wirklichkeit, in der wir die Lagerwirklichkeit betrachten und beurteilen sollten. Das Lager war nie eine Welt für sich allein, die sich selbst genügte und unabhängig von der Umgebung existierte. Stets war es durch ein Netzwerk sichtbarer und nicht sichtbarer Verbindungen mit seiner unmittelbaren Umgebung verknüpft. Es war Teil einer größeren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Wirklichkeit.

Üblicherweise werden diese Verbindungen aus der Perspektive von Tätern und Opfern erforscht, erst in jüngster Zeit kam eine dritte Gruppe dazu, jene der „Unbeteiligten”, der Zuschauer.1 Im Falle des KZ Stutthof ist die Situation deshalb besonders interessant, da die Gruppe der „unbeteiligten Beobachter” aus zwei klar definierten Gruppen besteht, der deutschen Bevölkerung von Stutthof sowie der polnischen jenes Ortes, der zunächst Obozy, später Sztutowo hieß.

Das Gebiet, mit dem wir uns beschäftigen, befindet sich in den nördlichen Pommerellen nahe der Weichselmündung, dem Beginn der Frischen Nehrung. Die Ortschaft Stutthof, die von...

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