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«Unbeteiligte» und Betroffene

Aspekte der Wahrnehmung der NS-Konzentrationslager während des Zweiten Weltkriegs sowie nach Kriegsende

Bogusław Dybaś, Irmgard Nöbauer and Joanna Ziemska

Das Buch ist eine Bestandsaufnahme der KZ-Gedenkstättenlandschaft in Österreich und Polen und geht der Frage nach, wie die nationalsozialistischen Konzentrationslager von unterschiedlichen Gruppen erlebt und wahrgenommen wurden. Die «Unbeteiligten» und Betroffenen der Welt außerhalb der Konzentrationslager sowie ihr Wissen und Nichtwissen über deren Bestehen sind hierbei von besonderem Interesse. Das in Anführungszeichen gesetzte Wort «Unbeteiligte» soll dabei verdeutlichen, dass es kaum möglich war und ist, unbeteiligt am Rande zu stehen. Thematisiert werden im Buch daher auch Formen des Erinnerns und Gedenkens, Zeitzeugenprojekte sowie die Erfahrung, als Tochter eines ehemaligen KZ-Häftlings aufgewachsen zu sein.
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Wechselbeziehungen zwischen dem Konzentrationslager Mauthausen und seinem lokalen Umfeld

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Wenn man in den 1970er Jahren in Mauthausen aufgewachsen ist, war man von klein auf mit den Schatten der Vergangenheit konfrontiert. In der Umgebung befand sich nicht nur das weitläufige Gelände mit den baulichen Überresten des Konzentrationslagers, sondern es lebten auch noch einzelne frühere Mitglieder der SS-Wachmannschaften, auch ehemalige KZ-Häftlinge, vor allem republikanische Spanier, die hier geheiratet hatten. Zwar wurde bis in die 1980-er Jahre nicht offen über dieses Thema gesprochen, aber man erfuhr viele kleine Details, man spürte, hier gibt es überall einen doppelten Boden.

Mittlerweile sind viele Facetten der Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen und seiner Nebenlager gut erforscht.1 Aber: Was weiß man über die Menschen, die damals in der Umgebung des Konzentrationslagers lebten, wie standen sie zu den schrecklichen Ereignissen, wie haben sie sich verhalten, welche Handlungsspielräume hatten sie überhaupt?

Der Autor dieses Beitrages stammt selbst aus Mauthausen, leistete in der KZ-Gedenkstätte Zivildienst und war hier vor allem in der Betreuung von Schulklassen tätig.2 Eine der wesentlichen Erkenntnisse daraus war die Erfahrung, dass der Blickwinkel der „Außenstehenden“, jener Menschen, die damals in der Umgebung des Konzentrationslagers lebten und mehr oder weniger auch in das Geschehen im Konzentrationslager involviert waren, für die pädagogische Arbeit sehr gut geeignet war. Er lässt sich eher mit der Lebensrealität heutiger Jugendlicher verbinden wie jener von Opfern und Tätern: „Wie verhalte ich mich, wenn neben mir ein Unrecht begangen wird, wie kann ich überhaupt...

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