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Die beiden Faust-Dramen Goethes

Jochen Bertheau

Jochen Bertheau befasst sich mit Goethes wohl bekanntesten Werk, dem «Faust I». Der Dichter selbst bezeichnete seine Arbeit gelegentlich als Fragment und widersprüchlich in der Konzeption, verteidigte aber gegenüber kritischen Lesern wie Wieland oder Luden das Prinzip, in der Poesie gebe es keine Widersprüche. In Wahrheit schloss er in Italien zwei verschiedene Faust-Dramen fast ab: Im «Ur-Faust» wurde er stark vom Scharlatan Schrepfer, in der Faustoper vom barocken Schultheater 1786 in Regensburg beeinflusst – beides ist bisher nicht untersucht worden. Mit Hilfe der Paralipomena kann man Bertheau zufolge zwei ganz verschiedene Dramen herausschälen: eine Tragödie und eine Oper. Um aufführungsreife Texte zu gewinnen, nahm der Autor minimale weitere Ergänzungen vor. Neben der eingehenden Untersuchung zur Entstehung beider Dramen erforscht Bertheau auch die Funktion der beiden Nummernpläne.
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C. Struktur und Konzeption des „Ur-Faust“

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Jeder Regisseur erkennt sofort, dass der „Ur-Faust“ leicht aufzuführen ist, obwohl insgesamt insgesamt 20 Bühnenbilder für die rasch wechselnde Abfolge kürzerer Szene aufzubauen sind. Es genügen aber oft nur einzelne Versatzstücke, ein paar Möbel, Fenster, Türen. Noch einfacher: Fast nach jedem echten Bild kommt eine Szene, die man vor dem Vorhang spielen kann; man muss vielleicht nur ein Spinnrad, einen Brunnen, eine Marienstatue hinausstellen, das genügt schon, und so hat man Zeit, hinter dem Vorhang umzubauen. Der junge Goethe war ein ganz bedeutender Bühnenpraktiker. Man betrachte nur den Frankfurter Plan, wie er jetzt ergänzt werden kann:

  1.Bild: Nacht: Fausts Monolog, Erdgeisterscheinung, Wagner-Szene, Mephistos Auftritt, sein Dialog mit Faust, Studenten-Szene, Aufbruch mit Mephistos Monolog.

  2.Bild: Auerbachs Keller.

  3.Bild: Landstraße mit Paktszene.Kirchgangszene vor dem Vorhang.

  4.Gretchens Zimmer, mehrere Monologe.Allee = Schmuckszene,

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