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Die beiden Faust-Dramen Goethes

Jochen Bertheau

Jochen Bertheau befasst sich mit Goethes wohl bekanntesten Werk, dem «Faust I». Der Dichter selbst bezeichnete seine Arbeit gelegentlich als Fragment und widersprüchlich in der Konzeption, verteidigte aber gegenüber kritischen Lesern wie Wieland oder Luden das Prinzip, in der Poesie gebe es keine Widersprüche. In Wahrheit schloss er in Italien zwei verschiedene Faust-Dramen fast ab: Im «Ur-Faust» wurde er stark vom Scharlatan Schrepfer, in der Faustoper vom barocken Schultheater 1786 in Regensburg beeinflusst – beides ist bisher nicht untersucht worden. Mit Hilfe der Paralipomena kann man Bertheau zufolge zwei ganz verschiedene Dramen herausschälen: eine Tragödie und eine Oper. Um aufführungsreife Texte zu gewinnen, nahm der Autor minimale weitere Ergänzungen vor. Neben der eingehenden Untersuchung zur Entstehung beider Dramen erforscht Bertheau auch die Funktion der beiden Nummernpläne.
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F. Vorlagen für den „Ur-Faust“

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1. Vergleichspunkte: Zahlreich sind die Untersuchungen zu den „Quellen“, die Goethe für den „Ur-Faust“ benützte. Dabei muss man differenzieren. Das Volksbuch von Spieß enthält vier Grundmotive: a. Der Gelehrte Faust beschwört den Teufel als Geist, um sich von ihm höchste Macht zu beschaffen. b. Er schließt einen Pakt mit dem Teufel, der ihn eine bestimmte Zeit bedienen, aber danach holen wird. c. Faust stellt in ganz Deutschland (und weiter) herumziehend ungeheure Streiche an. d. Zum verabredeten Termin holt der Teufel Faust. – Man vergleiche damit die Grundmotive des „Ur-Faust“: a. Faust beschwört einen Geist, der ihm höchste Macht verschaffen soll. b. Der ihm erscheinende Geist gibt vor, der wohlmeinende Erdgeist zu sein. In Wahrheit mystifiziert ihn der Teufel. c. Nach erstem Abenteuer (Auerbachs Keller) schließt Faust einen Pakt mit dem Teufel, den er dennoch für einen wohlmeinenden Geist hält. d. Faust begehrt das einfache Bürgermädchen Gretchen und verführt sie. Er richtet sie und ihre Familie zu Grunde, bis sie wegen Kindsmord zum Tode verurteilt wird. Er kann sie nicht befreien und bleibt an den Teufel gebunden, den er jetzt als solchen erkennt. – Für diesen Teil d gibt es in keinem Faust-Buch eine Vorlage, es ist eine ergreifende Erfindung Goethes.

Es gibt nun Dichtungen über Teufelsbündler (nicht nur Faust), die dem Untergang durch den Teufel aus verschiedenen Gründen entgehen. Dazu gehört auch der Faust der Oper Goethes. Es gibt weiterhin Geisterbeschwörer,...

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