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Gibraltar im 18. Jahrhundert

Die Formung einer multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft in der Frühen Neuzeit

Jochen Hausmann

Das Buch beschäftigt sich mit bislang wenig erforschten gesellschaftlichen Entwicklungen der Frühen Neuzeit in Gibraltar, der letzten Kolonie auf dem europäischen Kontinent. Seit der Eroberung im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 entwickelte sich dort im Schatten der britischen Garnison und isoliert vom meist feindlichen spanischen Umland eine einzigartige und funktionierende Zivilgesellschaft aus Katholiken, Protestanten und Juden. Die Wurzeln dieser Gesellschaft, die heute über eine starke eigene Identität verfügt, liegen im 18. Jahrhundert – also in einer Zeit, in der die britische Politik nicht gerade durch Toleranz gegenüber Katholiken und Juden gekennzeichnet war.
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4. Die Zivilbevölkerung 1704–1729

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4.Die Zivilbevölkerung 1704–1729

Es sollte an dieser Stelle unterstrichen werden, dass, obgleich Gibraltar zwischen 1704 und 1713 wie erwähnt mit dem Erzherzog assoziiert wurde, der Habsburger Einfluss, spätestens nach dem Tod Georgs von Hessen-Darmstadt, auf Gibraltar äußerst gering war. Insofern gilt es auch vor der formalen Abtretung Gibraltars 1713, auf den englischen beziehungsweise britischen Einfluss auf Gibraltar hinzuweisen, zumal ab 1707 die Gouverneure Gibraltars von der britischen Königin ernannt wurden und es schließlich die Gouverneure waren, die bestimmten, wer in Gibraltar leben und arbeiten durfte.108

Über die verbliebene Bevölkerung in Gibraltar kurz nach der Eroberung ist, wie erwähnt, leider nicht viel bekannt. Neben den maximal 119 Spaniern lebten zu diesem Zeitpunkt wohl auch einige Genuesen in Gibraltar. Immerhin sind drei Genuesen dadurch belegt, dass ihnen Georg von Hessen-Darmstadt Besitz verlieh.109 Außerdem ließen sich Katalanen aus dem Gefolge Georgs von Hessen-Darmstadt auf Gibraltar nieder. Auch wenn der genaue Umfang der verbliebenen Bevölkerung heute nicht mehr aufgeklärt werden kann, reichte die Größe der verbliebenen Bevölkerung sicherlich kaum aus, um den Bedarf an zivilen Arbeitskräften und Handwerkern der Garnison zu decken. Gibraltar war also auf Migration angewiesen. Die Bedingungen hierfür waren allerdings wenig attraktiv. Zwar hatten die ehemaligen Einwohner Gibraltars ihren Besitz verwirkt, als sie Gibraltar verließen, allerdings waren viele Häuser durch den Beschuss der Eroberer beziehungsweise der darauf folgenden Belagerung unbewohnbar. Zumal man zusätzlich bei vielen Häusern...

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