Show Less
Restricted access

Gibraltar im 18. Jahrhundert

Die Formung einer multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft in der Frühen Neuzeit

Jochen Hausmann

Das Buch beschäftigt sich mit bislang wenig erforschten gesellschaftlichen Entwicklungen der Frühen Neuzeit in Gibraltar, der letzten Kolonie auf dem europäischen Kontinent. Seit der Eroberung im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 entwickelte sich dort im Schatten der britischen Garnison und isoliert vom meist feindlichen spanischen Umland eine einzigartige und funktionierende Zivilgesellschaft aus Katholiken, Protestanten und Juden. Die Wurzeln dieser Gesellschaft, die heute über eine starke eigene Identität verfügt, liegen im 18. Jahrhundert – also in einer Zeit, in der die britische Politik nicht gerade durch Toleranz gegenüber Katholiken und Juden gekennzeichnet war.
Show Summary Details
Restricted access

6. Die Zivilbevölkerung 1730–1753

Extract

6.Die Zivilbevölkerung 1730–1753

Unabhängig davon, ob nun nach der Belagerung von 1727 noch etwa 500 oder 800 Einwohner in Gibraltar lebten, ist davon auszugehen, dass nach 1727 erneut ein großer Bedarf an Arbeitskräften und damit auch an Migranten vorherrschte.277 Dabei war dem Gouverneur durchaus bewusst, dass diese ähnlich wie in der Vergangenheit nicht aus Großbritannien kommen würden, so dass hinsichtlich der Zuwanderung kaum auf konfessionelle Präferenzen Rücksicht genommen werden konnte.278 Abgesehen davon wurde bereits darauf hingewiesen, welche eminent wichtige Rolle den jüdischen Einwohnern Gibraltars hinsichtlich der Versorgung der Garnison zukam. Da die Gouverneure die Haltung der britischen Regierung, vor allem protestantische Zuwanderung zu fördern,279 nicht einfach ignorieren konnten, wurden Aufzeichnungen über die Herkunft von Einwanderern schlicht unterlassen. Andererseits konnten die Gouverneure von Katholiken und Juden größere Einnahmen durch höhere Gebühren und Mieten erzielen.280 Dass sich erst wieder nach 1751 Verordnungen finden lassen, die einer unkontrollierten Zuwanderung entgegenwirken und alle Personen, die sich ohne Erlaubnis des Gouverneurs in Gibraltar aufhielten, der Garnison verweisen sollten,281 lässt auf eine eher langsame Erholung der Bevölkerung schließen. Neben den Zerstörungen, die die Belagerung von 1727 mit sich gebracht hatte, lag dies auch darin begründet, dass die wirtschaftlichen Möglichkeiten Gibraltars zumindest in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kaum eine größere Zuwanderung hätten tragen können.282

So sehr Arbeitskräfte in Gibraltar etwa für Reparaturen und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.