Show Less
Restricted access

Benjamin Brittens Liederzyklen

Series:

Antje Reineke

Das vorliegende Buch bietet die erste umfassende Studie zu Benjamin Brittens 15 Liederzyklen. Entstanden zwischen 1936 und 1975, nehmen sie neben den Opern eine wichtige Stellung in seinem Schaffen ein und haben sich heutzutage fest im Repertoire etabliert. Das Hauptinteresse der Autorin gilt der Analyse der musikalischen Strukturen und Textfolgen, der Darstellung der vielfältigen formalen Konzeptionen und der Vielschichtigkeit der behandelten Themen. Im Vordergrund steht die Frage übergreifender, zyklischer Zusammenhänge. Das Buch beleuchtet damit auch die grundsätzliche Problematik von Wesen und Charakter eines Liederzyklus. Dazu widmet sich die Autorin den Entstehungsgeschichten, von der Auswahl der Texte bis zum fertigen Werk, und der Rolle nicht in die Zyklen aufgenommener Lieder.
Show Summary Details
Restricted access

16. Who Are These Children?: Lyrics, Rhymes and Riddles by William Soutar Op. 84

Extract

16. Who Are These Children?: Lyrics, Rhymes and Riddles by William Soutar Op. 84

Brittens letzter Liederzyklus mit Klavierbegleitung entstand 1969 als Auftragswerk für das siebenhundertste National Gallery of Scotland Concert.1314 Die für den April 1970 geplante Uraufführung wurde aufgrund einer Erkrankung von Pears verschoben und fand schließlich am 4. Mai 1971 als Gedenkkonzert für die langjährige Leiterin der Konzertreihe und Widmungsträgerin des Zyklus Tertia Liebenthal statt.1315 Vorausgegangen war die Aufführung eines Teils der Lieder am 7. März 1971 beim Cardiff Festival.1316

Dem Kompositionsanlaß entsprechend fiel die Wahl auf einen schottischen Dichter. William Soutar ist Britten in mehrfacher Hinsicht geistesverwandt: engagierter Pazifist, einfühlsamer Verfasser von Kindergedichten und wie so viele junge Intellektuelle seiner Generation Sozialist. Durch sein Elternhaus war ihm eine tiefe Religiosität vermittelt worden, die, wie er selbst meinte, sein Denken auch in späteren Jahren prägte, als er keiner bestimmten christlichen Glaubensrichtung mehr verbunden war.1317 Sein Biograph und Herausgeber Alexander Scott führt daher die Betonung von individueller Verantwortung und Werten wie „kindliness in personal relationships, concern for others, emotional and intellectual honesty“ in Soutars Denken auf diese frühe Prägung zurück.1318

Brittens Zyklus verbindet in schottischer Sprache verfaßte Kindergedichte und Rätselsprüche mit englischsprachigen Anti-Kriegs-Gedichten und formt aus der Gegenüberstellung eine eindringliche Mahnung. Wie Britten auf den relativ unbekannten Soutar aufmerksam geworden war, ist nicht ganz klar. Der ← 497 | 498 → amerikanische Musikwissenschaftler Earl Bruce...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.