Show Less
Restricted access

Benjamin Brittens Liederzyklen

Series:

Antje Reineke

Das vorliegende Buch bietet die erste umfassende Studie zu Benjamin Brittens 15 Liederzyklen. Entstanden zwischen 1936 und 1975, nehmen sie neben den Opern eine wichtige Stellung in seinem Schaffen ein und haben sich heutzutage fest im Repertoire etabliert. Das Hauptinteresse der Autorin gilt der Analyse der musikalischen Strukturen und Textfolgen, der Darstellung der vielfältigen formalen Konzeptionen und der Vielschichtigkeit der behandelten Themen. Im Vordergrund steht die Frage übergreifender, zyklischer Zusammenhänge. Das Buch beleuchtet damit auch die grundsätzliche Problematik von Wesen und Charakter eines Liederzyklus. Dazu widmet sich die Autorin den Entstehungsgeschichten, von der Auswahl der Texte bis zum fertigen Werk, und der Rolle nicht in die Zyklen aufgenommener Lieder.
Show Summary Details
Restricted access

18. Fazit

Extract

18.  Fazit

Die inhaltliche wie formale Vielfalt und individuelle Gestaltung, die für den Liederzyklus charakteristisch sind, kennzeichnet auch Brittens Werke. Seine fünfzehn Zyklen für Solostimme sind alle unterschiedlich aufgebaut; nie hat er ein für ihn typisches Schema entwickelt, obwohl er offensichtlich einige Strukturprinzipien, wie etwa Symmetrien, bevorzugte. Auf die zentrale Frage der Zyklustheorien, ob ein Zyklus der „Zusammenschluß in sich selbständiger Sätze oder Werke, die auch unabhängig voneinander Lebensrecht haben, zu einer wie immer näher zu bestimmenden ‚höheren‘ Einheit“ sei1432 oder ein „Formbegriff, der nur Werke benennt, deren einzelne Teile nichts als Teile sind“,1433 geben Brittens Zyklen verschiedene Antworten. Er erkundet das weite Spektrum zyklischer Konzeptionen von eher losen Gruppierungen wie On This Island, Songs from the Chinese oder A Charm of Lullabies bis hin zu Werken, die auf einem komplex gearbeiteten Kompositionsplan beruhen wie Songs and Proverbs of William Blake und das Nocturne, dessen Abschnitte nur noch bedingt eigenständig sind.

Dichterischer und musikalischer Ebene kommt gleichermaßen Zusammenhang stiftende Bedeutung zu. Beide tragen zur Einheit eines Werkes bei, aber stets ist eine von ihnen führend: Einerseits wird eine auf der Textebene deutlich etablierte Sequenz nicht durch intensive musikalische Strukturen ergänzt, und andererseits stehen für sich betrachtet eher losen Textsequenzen straffe musikalische Bindungen gegenüber, die dann wiederum sinngebend für die Textfolge wirken. Der Wille zu einer übergreifenden Gesamtstruktur und einer durch die Zusammenstellung der Lieder oder Gesänge vermittelten Botschaft...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.