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Drachen und Rad

Gesammelte Beiträge zur mährischen Geschichte

Edited By Hellmuth Kiowsky

Drachen und Rad, das Wahrzeichen von Brünn, stehen hier stellvertretend für Mährens reiche Geschichte, die in diesem Buch ebenso belehrend wie unterhaltend dem Leser nahe gebracht wird. Die einzelnen Kapitel sind lose angereiht und bilden so eine bunte Palette an Informationen, die nicht nur geschichtlich fundiert ist, sondern auch zum Schmunzeln wie zur Besinnlichkeit anregen will. Angesichts der Tatsache, dass es nur noch wenige Zeitzeugen einer deutschen Vergangenheit in Brünn und Mähren gibt, dient das Buch auch der Erinnerung an lange vergangene Zeiten.
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Kreuzzug gegen die Ungläubigen

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Ein dramatisches Ereignis brachte das Jehr 1451 den Bewohnern der Stadt Brünn und wenig später auch denen von Olmütz, Iglau und Znaim: der Bußprediger Johannes von Capistrano mahnte das Volk zur wahren Frömmigkeit. Wäre der Sinn seiner Predigten nicht ein tief religiöser gewesen, man könnte sein Auftreten als ein Spektakel bezeichnen. Der Ruf eines eindrucksvollen Kanzelredners ging dem aus Italien (Capistrano) stammenden Franziskaners voraus, die Zuhörer strömten in nie zuvor gesehener Menge von weit her in Brünn zusammen. Hatte er doch zuvor in Wien die Menschen zu leidenschaftlichen Kundgebungen begeistert. Kaiser Friedrich III. hatte sich vor ihm gebeugt, die Universität erwies ihm alle erdenklichen Ehrungen, und die Würdenträger der Kirche machten gute Miene zu einem Vorgang, der ihnen keineswegs behagte. Aber das Volk jubelte dem schlichten Manne zu, der ihre Herzen gewann.

Nicht anders war es in diesen fünf Wochen, die Bruder Johannes in Brünn verbrachte und bei denen kein Tag ohne Predigten und liturgischen Handlungen, wunderbaren Heilungen und ergreifende Auftritte verging.

Ein Mitsechziger war Capistrano damals bereits, aber er sprach mit dem Feuer jugendlicher Eiferer und mit wilden, leidenschaftlichen Gesten. Denn von den Texten seiner Predigten, die lateinisch gesprochen wurden, verstanden die meisten Zuhörer kein Wort; aber sie berauschten sich an den Gesten, an den flammenden Blicken und dem zornigen Aufwallen des Fanatikers. Hingerissen wurden sie von dem Schauspiel, sie unterlagen dem Zauber einer eigenwilligen Pers...

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