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Drachen und Rad

Gesammelte Beiträge zur mährischen Geschichte

Edited By Hellmuth Kiowsky

Drachen und Rad, das Wahrzeichen von Brünn, stehen hier stellvertretend für Mährens reiche Geschichte, die in diesem Buch ebenso belehrend wie unterhaltend dem Leser nahe gebracht wird. Die einzelnen Kapitel sind lose angereiht und bilden so eine bunte Palette an Informationen, die nicht nur geschichtlich fundiert ist, sondern auch zum Schmunzeln wie zur Besinnlichkeit anregen will. Angesichts der Tatsache, dass es nur noch wenige Zeitzeugen einer deutschen Vergangenheit in Brünn und Mähren gibt, dient das Buch auch der Erinnerung an lange vergangene Zeiten.
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Das Mödritzer Gockschelfest

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Seit undenklichen Zeiten wallfahrteten die Brünner Gärtner von der Grillowitz und Neustift an einem Donnerstag nach dem 15. August jedes Jahr und bei jeder Witterung zur hl. Muttergottes nach Mödritz. Die Getreideernte war in Mödritz eingebracht, und die Scheunentore standen um diese Zeit angelweit offen, und aus ihnen klang damals der rhythmische Taktschlag der Dreschflegel. Plötzlich verstummte er, und vom Kirchturm her ertönte feierliches Geläut. Die Dorfbuben riefen: „Sie kommen schon!“ Eine stattliche Anzahl von Brünner Wallfahrern kam mit ihren bunten Kirchenfahnen gepilgert. Inzwischen hatten sich Bürgermeister mit der Gemeindevertretung, die Mödritzer Musikkapelle in der Bahngasse zum Empfang der Wallfahrer versammelt. Die hochwürdige Geistlichkeit geleitete den langen Zug unter feierlichem Glockengeläut und Musikklängen zur Pfarrkirche von St. Gotthard, wo unter Beteiligung der Landbevölkerung ein Hochamt gelesen wurde. Vor dem Gotteshaus und auf dem Marktplatz waren Verkaufsbuden aufgestellt, die allerhand Andenken und Süßigkeiten anboten. Hier gab es Heiligenbilder, Rosenkränze, Gebetbücher zu kaufen, bei einem anderen Stand wurden große und kleine Marzipanherzen mit verschiedenen Inschriften, Spielzeugkram und Schleckereien angepriesen. Da gab es ein Gejohle und lautes Geschrei durcheinander.

Nach dem Gottesdienst herrschte auf dem Marktplatz wie in den Gastwirtschaften mit ihren schattigen Gärten ein reges Leben. die Gastwirte hatten schon einige Wochen vorher einige Hundert Junghähne bei den südmährischen Bauern aufgekauft. Diese wurden am Tag vor der Wallfahrt geschlachtet und als „Gockschel“ für das Fest...

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